Archiv für die Kategorie ‘Natur + Gesellschaft’

Buddhistische Zugänge zu Umwelt und Nachhaltigkeit – selten aber gehaltvoll

Donnerstag, 12. Januar 2012

Ich habe mich in den vergangenen Jahren durch einige buddhistische Werke gekämpft, vor allem Dalai Lama-Bücher, deren kluge Botschaften sich allerdings irgendwann etwas wiederholen. Immer dacht ich, dass es doch auch Verbindungen zum ökologischen Denken geben müsste, da die buddhistische Philosophie so viele Ansätze dafür bereit hält: Jedes Lebewesen ehren, die Lehre der gegenseitigen Abhängigkeit und des bedingten Entstehens, ja selbst die Wiedergeburt, wenn man sie im klassischen Sinne begreift. Dennoch habe ich keine Texte gefunden, die explizit zu Umweltschutz und grünem Denken Bezug nehmen. Bis ich auf die Seite „Buddhanetz“ gestoßen bin, wo zahlreiche Texte versammelt sind. Darunter auch Thesen von Thich Nhat Hanh, der in seinen Büchern durchaus hie und da bewusst den Bezug der Lehre zur Ökologie herstellt. Viel Spaß beim Lesen!

Eine globale Zeremonie: Schamanen warnen vor dem Klimawandel

Sonntag, 08. Januar 2012

Ich habe gerade einen Bildband gelesen, der mich beeindruckt hat – nicht unbedingt wegen der Bilder sondern der Botschaft, die das Projekt aussendet, um das es geht: 2009 trafen sich Schamanen und Heiler aus aller Welt, um nach langer Zeit in Grönland wieder ein heiliges Feuer zu entfachen und damit auf die Folgen des Klimawandels hinzuweisen, unter denen die indigenen Völker besonders leiden. Das Buch stellt verschiedene Schamanen aus Afrika, Neuseeland, Kanada, den USA, Brasilien und Russland vor – und lässt sie von ihren Visionen und Überzeugungen berichten. Auch Jane Goodall nahm an der Zeremonie teil. Der Band erinnert insgesamt daran, dass altes Wissen von kundigen Beobachtern verloren geht oder kaum gehört wird. Und dass es lohnt, hinzuhören, wenn Naturvölker und ihre Boten von bedrohter Natur sprechen. Und wie es gelingen kann, den Bedrohungen entgegenzutreten. Das Buch heißt „Heiliges Feuer – Schamanen und Älteste der Welt“ und ist von Angela Babel und Sven Nieder verfasst.

Zurück aus dem Norden und Lob für Europa

Mittwoch, 21. September 2011

Nach zwei Monaten durch Norwegen und Schweden sitze ich am Tisch und fasse noch mal gedanklich einen Artikel zusammen, den ich für unser Heft zur Naturschutzpolitik der Europäischen Union gerade geschrieben habe. Es ist sicher die schlechteste Zeit, um diese EU zu loben oder ihr öffentlich etwas Positives abgewinnen zu wollen. Denn sie steckt in der tiefsten Krise überhaupt, und ein Scheitern ist dieses Mal wirklich möglich. Aber vielleicht ist so eine Situation ja auch genau der Moment, um darauf hinzuweisen, was dieses unfertige und teils hochproblematische Gebilde alles schon vollbracht hat, vor allem in der Umweltpolitik. Und insbesondere im Naturschutz.

Da gibt es die Vogelschutzrichtlinie von 1979 und die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie von 1992. Durch diese Gesetze waren jeweils im Handumdrehen viele Arten europaweit geschützt, mussten die Staaten sehr viele neue Schutzgebiete ausweisen – es sind 26.000 derzeit, die 18 Prozent der EU-Landesfläche bedecken. Das ganze heißt Natura 2000 und ist das größte Netzwerk von Naturschutzgebieten auf der Welt! Selbst die kritischsten Umweltverbände betonen, was das für eine große Leistung war.

Sicher, die Umsetzung hakt: Die Gebiete brauchen Management-Pläne, von denen es noch viel zu wenige gibt. Es fehlt an allen Ecken und Enden Geld, um die Schutzzonen besser zu verwalten. Und sie sind noch nicht gut vernetzt, was für wandernde Arten wie Wolf, Elch, Luchs oder Wildkatze ein Problem ist. Die EU hat zudem immer noch eine Agrar- und Fischereipolitik, die alles andere als umweltfreundlich sind. Aber dennoch ist das Erreichte im Naturschutz doch eine Menge. Auch deswegen kommen jetzt wilde Arten nach Europa zurück – weil es die europäische Vision eines Biotopverbundes gibt, der sich über fast den ganzen Kontinent zieht. Und für den strenge Gesetze gemacht wurden. 

Green Quotes: Mensch, Natur, Entkoppelung

Mittwoch, 25. Mai 2011

Das im Zuge der Industrialisierung neudefinierte Verhältnis bzw. die hier geschehene, quais sphärische Entkoppelung von Mensch und Natur und insbesondere die Bedrohung durch diese beschreibt dieser Satz recht gut. Man könnte das aktuelle Grünen der Gesellschaft als Prozess sehen, die Lücke wieder zu schließen; doch darüber ließe sich sicher diskutieren.

“Aus der unberechenbaren Bedrohung durch Naturgewalten wurde die bewusst eingegangene (…) Beziehung zu einer Natur, deren Risiken permanten durch Technik gezähmt werden müssen. So etablierte sich die für die Neuzeit grundlegende Dichotomie zwischen Natur und Gesellschaft, die (…) das Management der Naturrisiken dafür zuständigen Abteilungen übertrug – den Ingenieuren, dem Katastrophenschutz und nicht zuletzt Versicherungen.”

(Claus Leggewie/Harald Welzer: Das Ende der Welt, wie wir sie kannten, S. 32)

Franzen über Literatur und Umweltschutz

Dienstag, 24. Mai 2011

Jonathan Franzen ist ein ökologisch orientierter Schriftsteller, der auch immer wieder als Reporter und Essayist auftritt. Das Magazin „Cicero“ hat mit ihm ein lesenswertes Interview unter anderem darüber geführt, in welchem Verhältnis Literatur, Journalismus und Umweltschutz stehen. Ein Auszug:

“Die rhetorischen Herausforderungen im Umgang mit der Umweltproblematik sind mir deshalb besonders gegenwärtig. Auch diese Texte müssen auf mehreren Ebenen gleichzeitig funktionieren und müssen als Lektüre ein Genuss sein. Es geht im Kern um einen Vertrag mit dem Leser, um das Signal: Wir treffen uns hier auf moralischer Augenhöhe. Ich bin nicht besser als du und auch nicht schlechter. Es geht weder um ein kriecherisches Bekenntnis meiner eigenen Verdorbenheit noch um eine schreiende Anklage anderer. Lass uns zusammensitzen und über das Netz der Widersprüche reden, in das jeder von uns verstrickt ist.”

Serie Green Quotes: Martin Voss

Donnerstag, 31. März 2011

„In der Beschäftigung mit dem Klimawandel kommt etwas wieder, was uns seit der Aufklärung abhanden gekommen ist: das Gefühl, dass alles zusammenhängt. Der Klimawandel lässt uns wieder religiöser und mystischer werden.” (Dr. Martin Voss, Katastrophensoziologe, Kiel)

“Kanadas Wildnis wird geopfert”

Donnerstag, 11. Juni 2009

Das ist der Titel einer sehr zu empfehlenden Reportage in der aktuellen Augabe von National Geographic Deutschland über den Abbau der Ölsande in der kanadischen Provinz Alberta. Er schmerzt, den Text zu lesen. Der Begriff “Raubbau” erhält durch ihn ein neues Gesicht. Der englische Originaltext ist online abrufbar.