Schleier der Unzufriedenheit

Vielleicht gibt es, ähnlich zum Schleier des Nichtwissens von John Rawls, der mit dem Blick hindurch eine gerechtere Welt entdecken will, auch einen Schleier des Unfertigen, Unerreichten und Unzufriedenen, der sich täglich über viele Menschen legt, dichter gewoben bei denen einen, lichter bei den anderen. Sein Stoff gewinnt an Dichte durch Armut, Ungleichheit und Herabsetzung, aber auch durch Hektik, Hatz, Veräußerungs-  und Wettbewerbszwänge. Den Schleier zu heben und hindurchzusehen, Gegenpunkte für sich zu setzen, wäre eine große Aufgabe – etwa durch Ortswechsel, Reisen, Naturzeiten, Muße und Auszeiten, Lektüre, Kunst, Versenkungen, Austausch und Gemeinschaft mit anderen. Und zuvorderst durch einen politischen Rahmen, der Lebensqualität ernst nimmt, für alle Schichten der Gesellschaft.

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