Wunder am Himmel: Greifvögel beobachten – ein paar Tipps

Es ist einfach immer wieder ein besonderes Schauspiel, wenn ein Mäusebussard an einem warmen Tag die Thermik nutzt und sich langsam in die Höhe hinauftragen lässt. Das können wir jetzt in diesen schönen Tagen bei klarem Wetter oft beobachten. Und nicht nur der Bussard, einer der häufigsten Greifvögel, zeigt sich über Feldern, Wäldern und oft auch am Rand von Autobahnen. Auch Turmfalken kann man erspähen, an größeren Gewässern auch mit etwas Glück den schwarz-weißlichen Fischadler oder sogar, vor allem in Nord- und Ostdeutschland, den wieder erstarkten Seeadler mit seinem mächtigen Schwingen.

Ich bin am Wochenende durch Nordwestmecklenburg gefahren, und dort, in der teils noch recht gut erhaltenen, von Bäumen und Büschen durchzogenen Feldflur, war einiges zu sehen: Bussarde, Falken, ein Fischadler. Und es gab einen Rotmilan, der wegen seiner v-förmigen Kerbe im Schwanz auch Gabelweihe heißt. Er kommt nur in Europa vor, und rund die Hälfte seines Bestandes lebt in Deutschland. Für diesen Vogel haben wir also eine besondere Verantwortung. Der dunklere Schwarzmilan ist kleiner und hat einen schwächer gekerbten Schwanz. Er kommt oft an Gewässern und Augebieten vor wie etwa dem südhessischen Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue – eine amazonashafte Wasserlandschaft mit dichten Wäldern und wunderbaren Streuobstwiesen. Der Schwarzmilan ist hier das Wappentier.

Gut sind frisch gemähte Wiesen

Am besten begibt man sich zur Greifvogelsuche mit Fernglas und Bestimmungsbuch auf Anhöhen nahe großer Felder oder Wiesen. Gute Orte sind auch frisch gemähte Wiesen und abgeerntete Felder, weil Beutetiere hier leicht zu sehen sind. Turmfalken zum Beispiel sind typische Feldjäger. Meist stehen sie flatternd über einer Stelle und schauen nach Beute. Greifvögel können zu jeder Jahreszeit beobachtet werden. Im Herbst ziehen manche Arten in Schwärmen gen Süden. Und zur Balzzeit im Frühjahr führen Bussarde und Milane ihre Kunststücke am Himmel vor: Saltos und scharfe Kurven. Manche Tiere übergeben sich im Flug sogar Beute.

Gut zu beobachten sind die Herren der Lüfte ebenso an Walrändern, in Heckenlandschaften und auf Streuobstwiesen. Es lohnt sich auch, nach Sitzstangen zu schauen, die Vogelschützer aufgestellt haben. Für manche Arten braucht man mehr Geduld, Habicht und Sperber etwa jagen als Überfalljäger unauffälliger. Von einem Ansitz aus schießen sie in flachem Flug auf Vögel oder Mäuse herab, die sie in Gärten, Parks und auf Waldlichtungen jagen. In Berlin mussten Habichte schon aus Wohnungen befreit werden, in die sie versehentlich bei der Taubenjagd geflogen waren.

Schnell wie ein Wanderfalke

Der schnellste Jäger ist der Wanderfalke, der im Sturzflug auf bis zu 300 Stundenkilometer kommt. In den siebziger Jahren war er in Deutschland schon fast ausgestorben. Pestizide waren in seine Nahrungskette gelangt und hatten die Eierschalen brüchig werden lassen – der Nachwuchs ausblieb. Durch Schutzprojekte hat sich der Bestand erholt. Wie der Turmfalke nistet der Wanderfalke mitten in Städten, selbst am Kölner Dom geht der Federblitz auf Jagd. Raritäten wie den Schreiadler oder den majestätischen Steinadler, von dem es in den deutschen Alpen 48 Brutpaare gibt, bekommt man aber kaum zu Gesicht.

Die Lebensräume von Wiesen- und Kornweihe sind durch Flurbereinigungen und intensive Landwirtschaft so weit zerstört worden, dass sich diese bedrohten Arten nur selten beobachten lassen. Gleiches gilt für die Rohrweihe, die Gewässern mit dichten Schilfgürteln liebt.

Schwieriger zu beobachten sind die nachtaktiven Eulen. Hier muss man auf die Rufe achten: Von September bis November und zu Beginn des Frühlings ist zum Beispiel der Waldkauz öfter zu hören. Man kann den Ruf mit dunklem Pfeifen in die hohle Hand nachmachen – und manchmal antworten die Käuze auch. Dann entstehen kurze Gespräche, die dennoch lange in Erinnerung bleiben. Was er wohl gesagt hat? Diese Frage hatte ich immer wieder im Kopf, auch wenn sie schlichtweg nicht zu beantworten ist.

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