Forschungsgebiet: Internationale Journalismusforschung und journalistischen Kulturen

Mein Hauptgebiet, das ich auch bereits im Journalistik-Studium bearbeitet habe, ist die internationale Journalismusforschung und die Analyse journalistischer Kulturen – in Verbindung mit Querschnittsthemen wie Europäische Integration und EU-Journalismus oder Umwelt und Nachhaltigkeit. Ich verfolge in diesem Feld einen qualitativen und explorativen Ansatz, da Forschungsthemen und Fragestellungen meist neu sind und daher das Feld erst erkunden werden muss, bestenfalls mit den entsprechenden Methoden wie narrativen oder halboffenen Leitfadeninterviews und teilnehmenden, aktiven wie auch passiven Beobachtungen. Gelegentlich flankiere ich diese Methoden mit Fragebögen und formell orientierten Inhaltsanalysen wie etwa in meiner Doktorarbeit über die EU-Berichterstattung von Regionalzeitungen, deren Leitungsredakteure ich interviewt habe – aufbauend auf einer teilnehmenden Beobachtung, in der ich dann inhaltsanalytisch die regionale Berichterstattung zur EU festgehalten habe. Auch  einige EU-Regionalkorrespondenten habe ich in der Dissertation in Brüssel interviewt.

Schon hatte ich im Rahmen von europajournalistischen Seminaren, die ich in Brüssel gab, sowie Kursen des Masters „Europastudien“ an der RWTH Aachen immer mit EU-Korrespondenten zu tun und ihrer Arbeitsweisen näher kennengelernt – aus einer andere Perspektive auch als Journalist, der selbst viel zur EU-Umweltpolitik gearbeitet hat.

Im aktuellen Forschungsprojekt „Klimageschichten“, das international vergleichend umweltjournalistische Erzählkulturen thematisiert, arbeiten wir im deutschen Teilprojekt mit teilstandarisierten Interviews, da zur medialen Klimaberichterstattung hierzulande bereits einige Arbeiten vorliegen, auf denen wir aufbauen können. Für die norwegische Klimaberichterstattung, deren Akteure wie auch Analysten wir befragt haben, sah es ähnlich aus. Beim Fallbeispiel Vietnam verhielt es sich anders: aktive und passive teilnehmende Beobachtungen sowie kleinere offene Interviews bereiteten hier das unerforschte Feld im Kontext von Storytelling und Klimajournalismus auf – dies auch, da wir gleichzeitig in einer Doppelrolle als Forscher und Dozenten waren. Entsprechend wichtig sind hier selbstkritische Rollenreflexionen.

Besonders gilt dies auch für den letzten aktuellen Strang der Studie, die Erforschung indigener Klimanarrative und Darstellungsmuster am Fallbeispiel der schwedischen und norwegischen Sami-Minderheit. Bei diesem medienethnografischen Ansatz war die Kontaktanbahnung und Forschungslogistik im Vorfeld schwer. Um Vertrauen zu schaffen und überhaupt Informationen ermitteln zu können, war die Arbeit im Feld – in diesem Fall die Begleitung beim Rentiertreiben, Jagen und die Mithilfe bei Reparaturen sowie täglichen Arbeiten – unbedingt notwendig. Entsprechend passte ich die Methodik an, um langsamer und einfühlsamer arbeiten zu können: Statt der geplanten Interviews (erste Idee: telefonisch, zweite: vor Ort) mit samischen Journalisten konzentrierte ich mich auf die viertägige aktive teilnehmende Beobachtung eines Fotografen und wichtigen Medienakteurs, der gleichzeitig als Rentierzüchter alle klimabedingten Problemstellungen dieser indigenen Kultur kennt und selbst erfährt. Offene Interviews und Gespräche waren teil dieser Feldforschung. Hier war ich auch als FAZ-Reporter unterwegs, der in dieser Rolle den eher skeptischen Samen nochmals näherkommen konnte als ein reiner Wissenschaftler, dessen Tun und Absichten sie schwerer einschätzen können. Gerade auch die Möglichkeit, ihre Anliegen und Probleme in Medien tragen zu können, war ein weiterer Rollenvorteil, der bei der kurzen Zeit, die ich für die Forschung nur hatte, zusätzliches Vertrauen schaffte. Andererseits gilt es, wie angerissen, solche Rollenkollisionen am Ender der Forschung bestmöglich aufzuarbeiten.

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