Andreas Altman zur Meditation

Aus: Altmann, Andreas: Der Preis der Leichtigkeit. Durch Thailand, Kambodscha und Vietnam.

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Vietnam-Blog: von Waldschmerzen, Umweltbuddhismus und dem großen Klimaopfer – etwas traurige Reisegedanken

Die kahlen Hänge, sie tun mir weh. Die nackte rotbraune Haut der Erde, die sich überall zeigt, weil die Hügel unter den gerodeten Kuppen wegbrechen nach Regen und Wind oder jemand neben seiner Hütte den Berg einfach abgegraben hat. Wie auf einem Kuchenblech sieht es aus, halbe Stücke stehen herum, gerade abgetrennt wie mit der Tortenschaufel. Immer wieder dieses Bild, halbe Hügel ohne Wald mit klapprigen Häusern darunter, rotbraun, ocker, dunkelgelb.

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Lehren und Essen in Sapa – der erste Arbeitstag

Das Essen steht ganz vorne, auch jetzt hier in meinem Text. Denn jeden Tag kommen im Gästehaus Speisen auf den Tisch, die weder wir noch die Übersetzer aus Hanoi kennen. Gemüsesorten aus den Bergen, Flussfische, Pferd, fremde Kräuter, eben hervorragende Bambussprossen und eingelegte Pilze. Oder gestern die Eingeweiden-Suppe im Restaurant. Dann heute Morgen der erste faut-pas.

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Vietnam-Blog: Autoscooter im Reisrevier – eine Sausefahrt nach Sapa

Die Fahrt von Hanoi ins Hochland nach Sapa, wo wir mit den Dozenten der Medienakademie die Woche verbringen, war gestern ein Glücksspiel, ein joy ride, wahnsinnige Landpartie, Autoscooter im Reisrevier. Dafür hat der Fahrer gesorgt, der den Toyota-Bus immer so nahe an ein anderes Auto fuhr, bis sich fast die Stoßstangen berührten. Dann ist er rechts und links, links und rechts ausgebrochen um zu sehen, wo er vorbeikommen, weiter rasen kann, über doppelte Linien, auf die Gegenfahrbahn, rechts überholen, überholen in der Kurve und bergauf, vor Hügeln. Scharf vorbei an entgegenkommenden Bussen, Lkw, Morrädern. Ihm war es egal, nur der Sieg über  andere Gefährte zählte; nicht die Zeit, denn er war kein eiliger Mann. Etwas anderes trieb ihn, schlichte Technik vermutlich.

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Vietnam-Blog: Hundeentführung und drei geteilte Welten

Eine andere Sache fällt mir immer wieder ein, in Gesprächen und jetzt, wo ich vom Hoteldach ganz oben auf die Stadt schaue: Die geteilten Welten, die der Turbokapitalismus hinterlassen hat und weiter teilt. Man teilt sie in drei Sphären ein: die beste mit Schulen, Krankenhäusern und anderen Stellen, die dem Militär, der Staatsspitze und hohen Beamten offen stehen; die schlechtere, die für alle offen ist, unterfinanziert, oft verschuldet, haltlose Zustände. Krankenhausbetten, in denen zwei oder drei Menschen liegen. Und dann kommt die abgeschottete Welt mit eigenen teuren Schulen, Hospitalen, Universitäten, das Privat-Vietnam, das vom Kommunismus so fern ist wie Bamberg von Battambang.  Und wir reden von Inklusion, denke ich jetzt, was hier nicht passt und zu keinem Vergleich taugt. Wir reden aber auch nicht von Hundeentführungen, die hier gerade passieren, zwei Dackel hat es erwischt eines Diplomaten. Und nicht von diesem feinen, unsichtbaren Klimawandel, der sich mit seinen Fingern von unten nähert, in die Erde geht und die Böden versalzt, weil das Meerwasser vordringt. Darüber mehr in Kürze.

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Vietnam-Blog: Mein unsichtbarer Kulturucksack und der Gott zum Schutz gegen Angriffe aus dem Norden

Der diesige Tag ist gerade in aller Schönheit zu Ende gesunken in fahles Licht über dem See, die warmen, gelben Regierungsbauten hüllen einen Teil davon in ihre Stille, vor allem hinten bei Ho Chi Minhs Stätten. Der andere Teil ist der brausende Schwarm der Motorräder, Mopeds und anderer Gefährte, die uns wie Fische umschwimmen, wenn wir über die Straße gehen. Sonja Schirmbeck weiß viel und lässt nichts aus. Ich komme nicht mehr mit, will aber weiter hören. Mehr wissen.

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Gedanken vor dem Gedachten

Ich denke oft, bevor ich schreibe oder auch nur weiterdenke, ob das Gesagte und Gedachte schon einmal da war und wenn ja, ob es dann überhaupt denkenswert und sagenswert wäre. Danach verurteile ich den allgegenwärtigen Kult des Immerneuen und den Zwang zur Exklusivität in unserem Denken. Dann ärgere ich mich darüber, dass ich beides in mir trage und an den Tag lege. Manchmal, wie jetzt, schreibe ich es auf, um den Ärger inmitten der Worte zu zerstreuen. Was kaum gelingt. Zumindest aber kann ich später mit einem neuen Ärger zu seinem aufgeschriebenen Bruder gehen und beide vergleichen. Das kann einen kleinen Frieden schaffen, mehr aber nicht.

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Postwachstums-Verse (1)

Was kommt
vor dem
Wachstum?
Wachstum

Was kommt danach?
Ebendies.

Und was kommt
vom Wachstum?
Wachs.Tum.

Was steht daneben?
Wir
Langweilig zuzusehen.

Neuer Versuch: Was kommt
ohne Wachstum?
Wachstumsklagen und
“Minuswachstum”

Vielleicht einmal
Erreichttum?

Dann könnten wir anhalten
ein neues Wort einfallen lassen
So bleibt es Kreiseln das
das Morgen zum Jetzt
und Gestern zum Gleich-Wieder macht
sodass Vorsorgen und Absichern
die Momente nehmen

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Vogesen-Zauberwald – zwei Stunden, einige Sätze

Ich habe so einen Wald in der Nähe, es sind drei Stunden, noch nie gesehen. Moosüberwachsene Felsen türmen sich immer höher auf entlang eines Hangs, der steil ansteigt bis hinauf zu den Wänden aus Dunst. Zottige Kiefern und Fichten im Herbstnebel. Kälte. Zwielicht. Steine, die zu Figuren im Halbdunkel des Waldes wachsen – mehr und mehr, je höher der Berg ansteigt. Höhlen reißen schwarze Flecken in die Szenerie, schauen uns aus Felsblöcken heraus an. Wir stehen schweigend und antworten nicht, auch die Kinder werden ruhig. Andacht. Es gibt keine Gewöhnung daran, auch nicht nach einer Stunde. Der Ort: Vogesen, bei Gérardmer.

 

 

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Waldworte: Sylvain Tesson, Schriftsteller

„Eines Tages ist man es plötzlich müde, von „Nullwachstum“ und Naturliebe zu reden. Man verspürt den Drang, Ideen und Taten zur Deckung zu bringen. Es ist Zeit, die Stadt zu verlassen und hinter all den Sonntagsreden den Vorhang der Wälder zuzuziehen.“

 Sylvain Tesson: In den Wäldern Sibiriens. Tagebuch aus der Einsamkeit. München 2014, S. 40.

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Knud Rasmussen, Polarforscher

Knud Rasmussen: Unter Jägern und Schamananen. Unionsverlag 2006, S.10.

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Hans Jonas, Philosoph

Daß unser irgendwo einmal im All aufgefangenes Signal keine Todesanzeige sei, damit haben wir alle Hände voll zu tun. Kümmern wir uns um unsere Erde. Was immer es draußen geben mag, hier entscheidet sich unser Schicksal und mit ihm so viel vom Schöpfungswagnis, wie an diesen Ort geknöpft, in unsere Hände geraten ist, von uns betreut oder verraten werden kann. Sorgen wir uns darum, als ob wir in der Tat einzig wären im All.

Hans Jonas: Geist, Natur und Schöpfung. Kosmologischer Befund und kosmogonische Vermutung. In: Hans-Peter Dürr/ Walter Ch. Zimmerli (Hg.): Geist und Natur. Über den Widerspruch zwischen naturwissenschaftlicher Erkenntnis und philosophischer Welterfahrung, München: Scherz 1989, S. 61- 77.

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Waldgänge

Es ist der Wald hier gleich an der Straße, wenige Schritte von uns, nur nicht am großen Weg sondern entlang eines versteckten Pfads, seine Ränder sind durchwühlt von Wildschweinen, die Kuhlen und Löcher schlagen. Kaum eine Stelle ist unberührt. Daneben fast lückenlose Bodenteppiche von Scharbockskraut, das einst gegen Skorbut half seines Vitamingehalts wegen. Der Förster hat beschlossen, den Wald hier am Rande der Straße nach Dieburg sich selbst zu überlassen. Deshalb gleiten wir mit jedem Schritt weiter hinein in eine andere Sphäre. Hier ist kein aufgeräumter Forst oder schöner Mischwald. Hier ist Wildnis. Hier tobt das frühe Jahr in Stille und Schönheit, erreichen uns Würde und Aufbruch. Alte Stämme liegen tot in den Scharbockskrautteppichen, willkürlich verteilt und so in guter Ordnung. Sie leben, sind voller Moose, schimmern in Hellgrün und dunkleren Tönen durch den feuchten Wald. Dann das Fastsmaragd der jungen Buchen, die Farbe, die sie nur jetzt haben bis in den Mai hinein. Und die dampfende Stille. Der Wald dampft leicht, der Morgen ist fast vorbei, er ist ein lichternes Dunkel, ein Grünbad, das hinten als zarte Wand endet, eine, die Fragen stellt, was nach ihr kommt. Doch jetzt stehen wir nur und schauen auf alles.

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Ein Nachhal(l)tigkeitsgedicht

Ist der Hall des Wortes
in Anhalt
bei einem Halt
nach Halle
stärker als
bei einem Halt danach?

Und wer hält
die Haltlosigkeit
nachher
nachträglich
nach?

Bevor das Hallenwort
im Nachspann
ganz verstummt
und dann
nachts nur noch
seine Agenten
das Licht darinnen sehen

 

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Züge als Themenfundgrube und Stimmungswaschmaschinen

Ich fahre viel Zug, was für die Themenfindung gut ist, weil ich höre, was Ingenieure, Bänker, Handwerker, Opernsänger oder andere Spezies so denken. Manchmal entsteht bei den Blicken aus dem Zugfenster, oder auch in den Raum dazwischen, eine  eigene Stimmung, die am äußersten Rande des normalen entsprechenden Barometers steht und sich daher nur mit Worfetzen skizzieren lässt. Etwa so:

Driftwärts (ICE)

An schalen Ufern
Züge grauen Wassers
schon gelbes Gras
Lufthauch kalt

Morgenfeucht
Rufe von weit her
Land bis zum Augenende
niemand hört
Laub und Acker

Karges Holz und Lichterflucht
Stehend reisen
vor alledem

Setzt sich
zieht herunter
sitzend sehen
voller Landschaften

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Some English articles by Torsten Schäfer

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Im Reich der Bären

Die Finnmark von Orsa in Schweden ist eines der besten Bärenreviere in Skandinavien. Ein deutsches Paar erforscht die Raubtiere und führt Besucher tief in ihr Reich hinein. Mehr bei Merian.de

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Verständnis von Umwelt und Nachhaltigkeit

– Warum ich überhaupt Umweltjournalismus, Natur und grüne Themen als Journalist, Hochschullehrer und Mensch verfolge, habe ich in einem Buchartikel (ab S. 118) aufzuschreiben. Darum geht es auch meine Herkunft (u.a. Jusos, Naturschutzarbeit, früheres WWF-Mitglied). Mein heutiges Verständnis von Nachhaltigkeit entspricht dem, was wir bei Grüner-Journalismus aufgeschrieben haben.

– Ich fasse sie als universellen Wert aufgeklärter Gesellschaften auf (siehe viele internationale und nationale Verträge und Verfassungen, Juristen sprechen von „Umweltöffentlichkeit“), dem öffentlich handelnde Akteure – bei aller Offenheit eine solchen Wertes und Leitbildes – verpflichtet sind. Für Journalisten heißt dies, das Feld der Nachhaltigkeit, das ich wie den Klimawandel als holistische Dimension und nicht als geschlossenes Einzelthema verstehe, auf die Agenda zu setzten, stetig zu begleiten und auch kritisch zu hinterfragen. Denn Konstruktion, verstanden als Sichtbarmachen von Zukunftsentwürfen, kann erst durch vorherige Kritik und sich daran anknüpfende konträre – und das heißt bestenfalls umfassende – Debatten geschehen.

– Darüber hinaus bin ich für eine starke Nachhaltigkeit. Ich halte das bekannte Nachhaltigkeitsdreieck eher für verwirrend, da es unterschwellig als Zielsetzung immer die Balance seiner drei Ecken mitkommuniziert, woraus Beliebigkeit und Ungenauigkeiten in der Debatten resultieren. Grundlegend betrachtet ist jeder Konsum ein direkter oder indirekter Beziehungsakt mit der Natur; natürliche Ressourcen sind die elementare Grundlagen für menschliches Wirtschaften, Wohlbefinden und das Überleben insgesamt. Aus dieser Erkenntnis heraus können in einem Modell der Nachhaltigkeit weder Wirtschaft noch Gesellschaft auf eine gleiche Ebene mit dem Erdsystem und seiner Ökologie gesetzt werden. Dessen Funktionsprimat (siehe hierzu unsere Erklärung auf Grüner-Journalismus) bedingt daher auch einen Betrachtungsprimat in der Nachhaltigkeit, die daher „stark“ sein sollte – wobei die gleichzeitige Aushandlung ökonomischer und sozialer Fragen ebenfalls elementar für eine funktionierende gesamtgesellschaftliche, generationengerechte Entwicklung ist. Ohne diese Dimensionen entsteht mitunter ein Biozentrismus, der menschliche Belange vergisst und wenig zu Lösungen beitragen kann.

– Nachhaltigkeit darf keineswegs nur eine private Angelegenheit sein, die von Unternehmen und Konsumenten vorangetrieben wird – so wird sie jedoch vielfach diskutiert. Die Frage, was der Staat tun kann und muss, geht im gesamtgesellschaftlichen Deregulierungs- und Privatisierungsrahmen, der unsere Zeit bestimmt, oft vergessen. „Was kann ich tun?“ – das ist sicher wichtig, aber die Frage, was die Politik tun sollte, ist mindestens genauso wichtig. Insgesamt gehe ich da mit Armin Grunwald, der sich „Wider die Privatisierung der Nachhaltigkeit“ stellt.

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Ratschläge und Notwendigkeiten für Ihr Studium

# Verfolgen Sie intensiv die aktuelle Berichterstattung aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – es erleichtert Ihnen eine Menge, in Studium, Beruf, Weiterbildung. Ohne dieses Kontextwissen bleibt journalistisches Handwerk und technologisches Können nur Stückwerk. Eine gute Möglichkeit dafür sind neben Textlektüren Podcasts des Deutschlandfunks oder der Regionalsender. Hier ein Überblick.

# Empfohlen wird Ihnen auch die Lektüre von Fachmedien wie meedia.de, kress.de, Medium Magazin oder „Journalist“. Letztere beide finden sich in der Bibliothek, die Sie als Arbeitsort nutzen sollten. Sie bietet für Recherchen, Ruhe und Online-Zugänge erhebliche Vorteile.

# Tragen Sie sich in den Newsletter des International Office ein und besuchen Sie dessen Websites, so erfahren Sie regelmäßig, welche Auslandsangebote es bei uns gibt.

# Nutzen Sie die Angebote des studentischen Trainerpools, der zahlreiche praktische Seminare anbietet, die ihr Studium sinnvoll ergänzen.

# Fragen Sie bei uns Dozenten frühzeitig nach bei Problemen und Unklarheiten. So lässt sich vieles klären, was später ggf. Schwierigkeiten macht.

# Beachten Sie die Regeln zum wissenschaftlichen Arbeiten. Sie finden sich im Journalismus-Wiki und sind Voraussetzungen für alle Arbeiten; in Gesprächen setzen wir die Kenntnis voraus.

# Ich habe Regeln für die Bewertung von Texten und Abschlussarbeiten verfasst (siehe meine Website). Das erleichtert uns gemeinsam die Arbeit und gibt Ihnen eine berechenbare Auskunft über Ihr Können und Ihre Fortschritte.

# Um leidige Debatten über die Abgabefristen von Prüfungsleistungen zu vermeiden, gilt für alle meine Veranstaltungen der formell letzte Tag der Vorlesungszeit, die hier zu finden ist. Abgabezeit ist 18 Uhr. Spätere Abgaben müssen mit mir abgesprochen und hinreichend begründet oder durch Attest entschuldigt sein.

# Für meine Textwerkstätten habe ich ein Arbeitsbuch „Text und Recherche“ verfasst, das Sie hier herunterladen können. Damit arbeite ich in verschiedenen Kursen. Es wird fortlaufend aktualisiert

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Lehr- und Forschungsverständnis

- Journalistik und Kommunikationswissenschaften sind keine klassischen, für sich unabhängigen Fächer. Sie sind aus den Kultur- und v.a. Sozialwissenschaften hervorgegangen und müssen daher automatisch steten Bezug zu Disziplinen in diesen Feldern aufbauen, sie in sich aufnehmen und harte Abgrenzungen vermeiden. Von Beginn an sollte daher die Journalistik stark interdisziplinär arbeiten und auf eine Verbreiterung ihrer Betrachtungsperspektiven hinwirken. Auch praktisch ist dieser Gedanke fortzuführen. Denn in vielen Ressorts steht ein technisch-ökonomisches Paradigma einer Integration von sozialen, ökologischen sowie kulturellen und alltäglichen Bezügen entgegen. Auch deshalb sehen wir oft Expertendebatten und begegnen Sprachwelten, die kaum mehr eine Allgemeinverständlichkeit zulassen.

- Verstanden als Theoriearena, die der Beschreibung und Analyse des praktischen Journalismus dient, hat die Journalistik einen direkten Wirkungsbezug zur Praxis und damit zur Massenöffentlichkeit und -gesellschaft. Konsequenz dieses Zusammenhangs ist – auch da viele Forschungen direkte Gesellschaftsforschungen sind – ein transdisziplinäre Haltung. Wissen und Erfahrungen außerhalb des Wissenschaftssystems sind wertvoll und unabdingbar für die Forschungskonzeption, Bürgerwissen- und -wissenschaft willkommene Teile des eigenen Handlungsrahmens. Dies schließt auch die Frage nach Teilhabe und Partizipation der Gesellschaft in all ihrer Breite und Vielfalt ein – am Mediensystem, dessen Aussagen, Räumen und Zeitlichkeiten. Durch die digital-mobile Interaktionsgesellschaft, die wir geworden sind, ist diese Frage von besonderer Bedeutung, basiert doch eine der Grundideen der digitalen Kommunikation auf einem Einreißen der Kommunikationshierarchien und dem Aufbrechen der alten Akteursrelationen.

- Daraus resultiert auch ein Verständnis von Wissenschaft als öffentlicher Wissenschaft. Ich meine, dass wir Hochschullehrer die Aufgabe haben, uns aktiv in öffentliche und politische Debatten einzumischen, Position zu beziehen und Fragen zu stellen. Darauf weist etwa die jüngste Serie in der ZEIT hin, die unterm Stricht beklagt, wie gesellschaftsfern, zurückhaltend und strikt fachbezogen Professoren heutzutage agieren.

- Wichtig finde ich – auch wenn er in diesem Kontext selten gebraucht wird – noch den Ausdruck der Ganzheitlichkeit, da sie dem grundlegendsten Auftrag, den Journalisten haben, zutiefst entspricht: umfassendes Denken und Handeln, konkret verstanden als Aufgabe, aus einem breiten Allgemeinwissen heraus mit kritisch-konstruktiver Haltung einen Sachverhalt nach allen Richtungen hin zu recherchieren. Ob allerdings alle Positionen tatsächlich gleichgewichtig gezeigt werden, ist eine Frage ihrer Relevanz innerhalb der Sache. Grundlegend sollten Widersprüche deutlich werden und verschiedene Positionen erkennbar sein, wobei jedoch die öffentlichen Relevanzverteilungen ebenso deutlich werden müssen, was man gut am Beispiel des Klimawandels diskutieren kann: Klimaleugner müssen nicht im Sinne einer falsch verstandenen Ausgewogenheit genauso oft zur Sprache gebracht werden wie Klimaforscher oder andere Akteure. Gleiches gilt für andere Felder: Politikberichterstattung braucht keinen automatischen Anruf bei Demokratiegegnern, nur um „ausgewogen“ zu sein. Ganzheitlichkeit meint auch, dass verschiedene Quellen der Erkenntnisse möglich sind und nicht nur die kognitive Ebene, die vielzitierte „Wissensebene“, in Recherchen und Produkten abgefragt und angesprochen wird. Auch andere Quellen wie Intuition, Emotion, Kontemplation und spirituelle Traditionen liefern Informationen, die oft ausgeblendet werden. Insgesamt zeugt dies von einer grundlegenden Haltung der Achtsamkeit in der Kommunikation, die auch für Journalisten wichtig ist (siehe hierzu Eurich).

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