Lehrplanung für das Wintersemester: Onlinejournalismus

Lehrverständnis

Wichtig für eine erfolgreiche Teilnahme sind Präsenz, aktive Teilnahme und das Erfüllen der Prüfungsleistungen. Entsprechen sind eigene Mitschriften vor Ort Grundlage für ein erfolgreiches Bestehen; viele, aber nicht alle Inhalte werden über Lehrmaterialien in Moodle wiederholt und dokumentiert.

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Vom Verlust der Zeit. Acht Empfindungen eines kulturellen Schmerzes

Diese Texte bereiten Vorträge vor, die ich im Rahmen von Seminaren und Veranstaltungen des Darmstädter Datterich-Festivals im Juni 2015 halte. Sie fragen danach, wie wir mit uns selbst, und damit mit unserer Eigenzeit, umgehen.

1 -Einfachheit ist schwer, wir sind vielfach und zunehmend vielfacher unterwegs

2 – Du nimmst das Handy nochmal und hoffst, dass das etwas Neues, Bedeutendes kommt, klickst, tippst, wischst, suchst. Dann ist da was, du spielst damit. Legst es weg, wiederholst alles. Eigentlich war da aber nichts. Nur Deine digitale Suche, aber die ist auch etwas. Also flirtest Du wieder mit dem Nichts.

3 - Was sagt die Zahl an Dingen aus ohne jeweils ihr Gewicht zu kennen? Immer nur die Breite des Angebotes abzuschreiten lässt keine Zeit, die Waage für das Ausgewählte heranzubringen

4 – Das Ausmaß der Vorbereitung übersteigt das der Nachbereitung. Wir schauen vor und selten zurück. Laufen viel an, heben seltener ab.

5 – Man sollte nicht mit Schnelligkeit versuchen, Langsamkeit zu beginnen. Habe ich zu oft versucht.

6 – Wenn das Leben ein Haus ist, dann ist Zeit ist der Stoff, mit dem es sich am besten bauen lässt. Fehlt er, wird es kalt und zugig darin

7 – Zeit ist die Hand, die Du Dir in jedem Moment reichen kannst. Warum auf diese Stütze verzichten?

8 Abschlussgedanke – Wenn ich kreativ sein will, vernetzen, voraus denken, durchdringen, zurückkehren, mich erinnern und dann alles miteinander in Bezug setzen will, muss ich neben der Schnelligkeit herlaufen dürfen: sich zurückziehen, mein Nichtwissen wohl organisieren, tools und trends zwar wahrnehmen, aber nicht unter ihnen sein. Mich auf all ihren Plätzen zu tummeln hieße, die wichtigste Quelle, die Muße, aufzugeben. Sie erzählt uns vor allem von dem, was wir noch nicht wissen, von der offenen Zukunft.

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Kann der Wald ein Schreibhelfer sein? Eindrücke von einem ersten Schüler-Seminar auf dem Darmstädter Waldkunstpfad

Wie inspiriert der Wald Schüler zum Schreiben und auch, bewusst wahrzunehmen und hinzuschauen, hinzuhören? Diese Fragen stelle ich mir letzte Woche beim ersten Schreibseminar unserer Agentur dasumweltinstitut. Ich war mit der neunten Klasse der Darmstädter Lichtenbergschule  drei Stunden im Wald, mitten auf dem Walkunstpfad, mit dem wir das Seminar ausgerichtet haben.

Deutschlehrerein Nicole Rosenthal hatte mit den 23 Schülern zuvor schon kreatives Schreiben versucht – mit gutem Erfolg, wie sie sagt. Der nächste Schritt war nun dieser andere Zugang, Natur wahrzunehmen: Schreiben. Vorstellungsrunde, eigene Erfahrungen mit dem Wald, ein paar Fakten zum deutschen Forst und Gedanken zur Beziehung  zwischen Mensch und Natur – danach ging es los in den Wald, der nah an der Schule ist.

 ”Die, die alles verbindet”

Bei der ersten Fragerunde mussten die Schüler ihre Assoziation von Wald finden. Heraus kam „Die, die alles verbindet“, Harmonie, Tiere,  Dunkelheit und Verborgenes, aber auch Blätter, Äste und Gedanken zu Details und einzelnen Objekten des Waldes. Wie kann man nun als jüngere/r Schreiber/in anfangen, wo soll ein Ansatz bestehen? Wir rissen einge grundlegende Wege an: still sitzen und lange beobachten, etwa einen Baum, ein Tier und dann in diese Mikroperspektive eintauchen. So, wie es die Autoren des nature writing, machen, das ich an der Hochschule gerade anfange zu erfoschen. Deshalb las ich auch Auszüge von Henry David Thoreaus “Walden” vor, aus Werken von Andreas Weber und auch ein eigenes Naturgedicht aus meinem Band “Schmallert”.

Einfacher ist es, den Wald auf ein Thema beziehen, was man schon mitbring, Klimawandel aus dem Unterricht oder die Wildschweine vor der eigenen Haustür, die im Stadtwald ein großes Thema sind. Oder sich in die Zukunft denken und Szenarien schreiben: Wie wird es dem Wald in 20 Jahren gehen? Es gab keinerlei Zwang, jeder konnte durch den Wald wandern, sich setzen und nachdenken, laufen und schreiben, zusammen und allein. Alles war möglich, damit die Hürden nicht zu hoch lagen. Nach einer Stunde sollten die Schüler etwas abgeben.

Nicht der erste Baum ist der beste

Es war schön zu sehen, wie viele erst ihren Platz finden mussten, in Gruppen von Baum zu Baum zogen, erst noch lauter waren und dann stiller wurden. Der Wald hatte sie eingenommen, zumindest die meisten. Nicht alle waren natürlich voll dabei, aber viele. Sie berichteten von Stämmen, die sie lange beobachteten, Gedanken zum Waldschutz, der Stille. Und viele gaben etwas ab. Jetzt bin ich gespannt auf die Durchsicht.

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Vietnam-Blog: Ein Land im Klimawandel – eine letzte Erinnerung

Ich frage mich, was bleibt nach diesen knappen zwei Wochen. Viele Beobachtungen, von denen ich schon geschrieben habe, aber auch Eindrücke, die nicht so leicht in Buchstaben fließen. Es ist das, was am Rande steht nach einer Reise, auch nach einer langen Recherche; das vielleicht Unausgesprochene, das uns aber stark gegriffen hat, als wir es nicht merkten. Hier ist es der Eindruck eines Landes, das mit einer riesigen Geschwindigkeit an sich selbst vorbeirauscht – wenn es seine Ressourcen verliert, die Flüsse trocken fallen, der Wald gerodet ist. Und wenn es gleichzeitig so vielen Menschen besser geht als vorher, weil der Tourismus kommt, vieles doch funktioniert, was woanders nicht geht: Sauberkeit und Sicherheit etwa.

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Vietnam-Blog: Lernen vor Lehren – Fazit nach fünf Tagen Journalismusseminar

Vor lauter Lehre habe ich die Blogs nicht mehr so im Blick. Jetzt aber einmal etwas mehr zu den Inhalten und der Weiterbildung selbst: Fünf Tage Lehre sind rum, und wie so oft war es zu viel, meist von 8.30 bis 17 Uhr mit eineinhalb Stunden Pause. Wir hatten die Aufgabe, zwei Gruppen, die beide bis auf einige Ausnahmen wenige Klimakenntnisse haben, erstens Klimapolitik und Klimaökonomie sowie Grundlagen der Umweltpsychologie näher zu bringen. Die zweite Aufgabe war Methodentraining, damit sie das Thema an ihre Studierenden vermitteln können.

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Wandelworte: Andreas Altman zur Meditation

Aus: Altmann, Andreas: Der Preis der Leichtigkeit. Durch Thailand, Kambodscha und Vietnam.

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Vietnam-Blog: von Waldschmerzen, Umweltbuddhismus und dem großen Klimaopfer – etwas traurige Reisegedanken

Die kahlen Hänge, sie tun mir weh. Die nackte rotbraune Haut der Erde, die sich überall zeigt, weil die Hügel unter den gerodeten Kuppen wegbrechen nach Regen und Wind oder jemand neben seiner Hütte den Berg einfach abgegraben hat. Wie auf einem Kuchenblech sieht es aus, halbe Stücke stehen herum, gerade abgetrennt wie mit der Tortenschaufel. Immer wieder dieses Bild, halbe Hügel ohne Wald mit klapprigen Häusern darunter, rotbraun, ocker, dunkelgelb.

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Lehren und Essen in Sapa – der erste Arbeitstag

Das Essen steht ganz vorne, auch jetzt hier in meinem Text. Denn jeden Tag kommen im Gästehaus Speisen auf den Tisch, die weder wir noch die Übersetzer aus Hanoi kennen. Gemüsesorten aus den Bergen, Flussfische, Pferd, fremde Kräuter, eben hervorragende Bambussprossen und eingelegte Pilze. Oder gestern die Eingeweiden-Suppe im Restaurant. Dann heute Morgen der erste faut-pas.

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Vietnam-Blog: Autoscooter im Reisrevier – eine Sausefahrt nach Sapa

Die Fahrt von Hanoi ins Hochland nach Sapa, wo wir mit den Dozenten der Medienakademie die Woche verbringen, war gestern ein Glücksspiel, ein joy ride, wahnsinnige Landpartie, Autoscooter im Reisrevier. Dafür hat der Fahrer gesorgt, der den Toyota-Bus immer so nahe an ein anderes Auto fuhr, bis sich fast die Stoßstangen berührten. Dann ist er rechts und links, links und rechts ausgebrochen um zu sehen, wo er vorbeikommen, weiter rasen kann, über doppelte Linien, auf die Gegenfahrbahn, rechts überholen, überholen in der Kurve und bergauf, vor Hügeln. Scharf vorbei an entgegenkommenden Bussen, Lkw, Morrädern. Ihm war es egal, nur der Sieg über  andere Gefährte zählte; nicht die Zeit, denn er war kein eiliger Mann. Etwas anderes trieb ihn, schlichte Technik vermutlich.

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Vietnam-Blog: Hundeentführung und drei geteilte Welten

Eine andere Sache fällt mir immer wieder ein, in Gesprächen und jetzt, wo ich vom Hoteldach ganz oben auf die Stadt schaue: Die geteilten Welten, die der Turbokapitalismus hinterlassen hat und weiter teilt. Man teilt sie in drei Sphären ein: die beste mit Schulen, Krankenhäusern und anderen Stellen, die dem Militär, der Staatsspitze und hohen Beamten offen stehen; die schlechtere, die für alle offen ist, unterfinanziert, oft verschuldet, haltlose Zustände. Krankenhausbetten, in denen zwei oder drei Menschen liegen. Und dann kommt die abgeschottete Welt mit eigenen teuren Schulen, Hospitalen, Universitäten, das Privat-Vietnam, das vom Kommunismus so fern ist wie Bamberg von Battambang.  Und wir reden von Inklusion, denke ich jetzt, was hier nicht passt und zu keinem Vergleich taugt. Wir reden aber auch nicht von Hundeentführungen, die hier gerade passieren, zwei Dackel hat es erwischt eines Diplomaten. Und nicht von diesem feinen, unsichtbaren Klimawandel, der sich mit seinen Fingern von unten nähert, in die Erde geht und die Böden versalzt, weil das Meerwasser vordringt. Darüber mehr in Kürze.

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Vietnam-Blog: Mein unsichtbarer Kulturucksack und der Gott zum Schutz gegen Angriffe aus dem Norden

Der diesige Tag ist gerade in aller Schönheit zu Ende gesunken in fahles Licht über dem See, die warmen, gelben Regierungsbauten hüllen einen Teil davon in ihre Stille, vor allem hinten bei Ho Chi Minhs Stätten. Der andere Teil ist der brausende Schwarm der Motorräder, Mopeds und anderer Gefährte, die uns wie Fische umschwimmen, wenn wir über die Straße gehen. Sonja Schirmbeck weiß viel und lässt nichts aus. Ich komme nicht mehr mit, will aber weiter hören. Mehr wissen.

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Gedanken vor dem Gedachten

Ich denke oft, bevor ich schreibe oder auch nur weiterdenke, ob das Gesagte und Gedachte schon einmal da war und wenn ja, ob es dann überhaupt denkenswert und sagenswert wäre. Danach verurteile ich den allgegenwärtigen Kult des Immerneuen und den Zwang zur Exklusivität in unserem Denken. Dann ärgere ich mich darüber, dass ich beides in mir trage und an den Tag lege. Manchmal, wie jetzt, schreibe ich es auf, um den Ärger inmitten der Worte zu zerstreuen. Was kaum gelingt. Zumindest aber kann ich später mit einem neuen Ärger zu seinem aufgeschriebenen Bruder gehen und beide vergleichen. Das kann einen kleinen Frieden schaffen, mehr aber nicht.

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Am Birkenwasser: dunkle Baumbegegnung

Ich habe eben versucht, ein Stück Birkenrinde abzuziehen und war erstaunt, wie schwer sie es mir machte. Kein Halt haben meine Finger gefunden, um ein erstes kleines Stück anzubrechen und es dann weiterzudrehen; die weißen, narbigen Rinderfenster saßen fest nebeneinander. Erst sahen sie alt und lasch aus, als ob sie gehen wollten. Mit mir gehen wollten. Aber sie haben sich behauptet und ich habe aufgegeben.

Ich habe in den vergangenen 15 Jahren bestimmt mehr über Birken gelesen als sie angefasst. Leicht sei der Baum, hell, ein Pionier auf neuem Boden, schnell im Wachstum und heilsam in der Wirkung, etwa bei Hautekzemen. Das haben sie im Hamburger Kräuterkurs gesagt, und es steht hier im Regal in den Führern. Die Birke vorhin hatte einen anderen Charakter. Sie besteht in einem kleinen Auwald, dem Darmbachtal, neben größeren und dunkleren Gesellen, Buchen die meisten. Hat große Birkenschwämme an sich, die ganz gerade von ihr abstehen. Stark, fest, schwarz, das war sie viel mehr als hell, weiß und voller Aufbruch.

Sie ist eine der wenigen Birken an dem Zusammenfluss kleinerer Bäche, der Birkenwasser heißt und an dem ich das letzte Mal vielleicht vor 20 Jahren war. Wir haben mit der Schule Staudämme hier gebaut, es gab einen offenen, maroden Spielplatz, ausgetretene, sommerwarme Erde, einen Holztisch mit Bänken. Es gab viele Geburtstage, immer mit Staudämmen. Heute ist nur die Aue da, die Spielgeräte sind fort. Ich werde für meine Kinder eine andere Stelle suchen zum Dämmebauen. Die Birke besuche ich wahrscheinlich dennoch, weil sie mir untypisch erscheint. Das nehme ich mir zumindest jetzt vor.

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Eigenworte: Vom Schreibheilen

Täglich frei zu dichten

legt fern

sich kläglich oft zu richten

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Postwachstums-Verse (1)

Was kommt
vor dem
Wachstum?
Wachstum

Was kommt danach?
Ebendies.

Und was kommt
vom Wachstum?
Wachs.Tum.

Was steht daneben?
Wir
Langweilig zuzusehen.

Neuer Versuch: Was kommt
ohne Wachstum?
Wachstumsklagen und
“Minuswachstum”

Vielleicht einmal
Erreichttum?

Dann könnten wir anhalten
ein neues Wort einfallen lassen
So bleibt es Kreiseln das
das Morgen zum Jetzt
und Gestern zum Gleich-Wieder macht
sodass Vorsorgen und Absichern
die Momente nehmen

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Vogesen-Zauberwald – zwei Stunden, einige Sätze

Ich habe so einen Wald in der Nähe, es sind drei Stunden, noch nie gesehen. Moosüberwachsene Felsen türmen sich immer höher auf entlang eines Hangs, der steil ansteigt bis hinauf zu den Wänden aus Dunst. Zottige Kiefern und Fichten im Herbstnebel. Kälte. Zwielicht. Steine, die zu Figuren im Halbdunkel des Waldes wachsen – mehr und mehr, je höher der Berg ansteigt. Höhlen reißen schwarze Flecken in die Szenerie, schauen uns aus Felsblöcken heraus an. Wir stehen schweigend und antworten nicht, auch die Kinder werden ruhig. Andacht. Es gibt keine Gewöhnung daran, auch nicht nach einer Stunde. Der Ort: Vogesen, bei Gérardmer.

 

 

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Wandelworte: neues Buch von Naomi Klein

Erscheint 2015 in Deutsch, ein großer Erfolg in den USA – und eine klare Ansprache grundlegender Probleme. Wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen wollen, ist das ein Kern. Eine Rezension gibt es in der Vogue zu lesen.

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Wandelworte: Fritz Vorholz, Journalist

Fritz Vorholz, DIE ZEIT, 22-2014: Hört doch mal auf Brüssel!

 

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Waldworte: Sylvain Tesson, Schriftsteller

„Eines Tages ist man es plötzlich müde, von „Nullwachstum“ und Naturliebe zu reden. Man verspürt den Drang, Ideen und Taten zur Deckung zu bringen. Es ist Zeit, die Stadt zu verlassen und hinter all den Sonntagsreden den Vorhang der Wälder zuzuziehen.“

 Sylvain Tesson: In den Wäldern Sibiriens. Tagebuch aus der Einsamkeit. München 2014, S. 40.

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Wandelworte: Frank Uekötter, Umwelthistoriker

Die Menschen von heute wollen aber nicht nur ökologische Nachhaltigkeit, sondern auch Partizipation, soziale Gerechtigkeit, kulturellen Respekt, Resilienz im Fall einer Krise. Wer dem Klimaschutz Vorrang vor allen anderen Interessen einräumen möchte, klingt verdächtig wie ein Förster, der alles Heil bei den Fichten sucht. (…)

 Nachhaltigkeit ist kein Zauberschlüssel, sondern eher ein grober Kompass, und nachhaltige Politik hat wie jede andere auch Risiken und Nebenwirkungen. Ein Denken in langen Zeiträumen verführt zur Unempfindlichkeit gegenüber dem Hier und Jetzt: Dass die Stromarmut just in einer Zeit entdeckt wurde, in der Politiker(innen) und Expert(inn)en im Zeichen der Energiewende mit Zielvorgaben für 2030 oder 2050 jonglierten, ist da nur der jüngste Beleg. (…)

Sollte man deshalb Abschied nehmen von dem Begriff? Letztlich würde das wohl eher auf eine talmudische Lösung hinauslaufen. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte spricht mehr für das hartnäckige Nachfragen: Was genau ist mit “Nachhaltigkeit” gemeint, welche materiellen und immateriellen Ressourcen erfordert die jeweils postulierte Politik, welche anderen Interessen sind davon tangiert, und wie geht man damit um? Wenn dann nur die altbekannten Worthülsen kommen, weiß man immerhin Bescheid.

Frank Uekötter: Ein Haus auf schwankendem Boden: Überlegungen zur Begriffsgeschichte der Nachhaltigkeit. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 31/32 2014

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