Endlich fertig: Mein Arbeitsbuch “Text und Recherche”

Ich veröffentliche hier mein “Arbeitsbuch Text und Recherche”, in dem viele Lehrmaterialien der vergangenen drei Jahre zusammengestellt sind – meist als Übersichten und Listen zu Text und Recherche, aber auch zu Umweltjournalismus und EU- sowie Auslandsaspekten.

Danke an Thomas Becht, der das Werk als studentischer Tutor geordnet und durchdacht hat! Das Arbeitsbuch wird stetig fortgeschrieben, da es noch einige Lücken und Unwuchten gibt. V.a. geht es etwa um Bericht und Interviews, die ich in der Lehre in Darmstadt zu Beginn vor allem als Formen im Fokus hatte. Ich mache jetzt aber mehr zu Reportage und Porträts sowie erzählerischen Themen, was dann in der nächsten Version neue Materialien liefern dürfte.

Der größte Dank geht an die Studierenden, mit denen zusammen Vieles entstanden ist, was hier, wiederum für ihre Nachfolger, nun als Werkstatt-Material nun gebündelt erscheint.

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Journalismus – ein sozialer Beruf

Wer Journalismus analysiert, sollte sich wohl zuerst Gedanken um die Gesellschaft machen, denn vor allem für sie ist er da. Journalismus ist im Kern ein sozialer Beruf, eine Arbeit mit und für Menschen, ein Kontakt- und Zuhörmetier, das Zeit braucht. Es gibt viele Journalismen mittlerweile, doch kein anderer reicht in seiner Bedeutung einerseits und seinem Lustgehalt andererseits an den sozialen heran. Für ihn, den Recherche- und Reporterjournalismus, muss man rausgehen, sprechen, fragen, zuhören – mit Zeit, sonst geht es nicht. Für diesen sozialen Beruf muss man sich in Beziehung setzen, empathisch sein. Und auf der anderen Seite wissen, was die Menschen bewegt, was die Sozialwissenschaften sagen, und das wieder prüfen mit dem, was Draußen los ist – also quasi am Rande vom Schreibtisch ausgesehen. Doch es ist sinnvoll, an die Ränder zu gehen, denn da liegen die oft die spannenden, eigentlichen Antworten. „Journalismus ist das, was man nicht mit Google findet“, sagte jüngst ein Kollege. Das ist hart, übertrieben. Es unterstreicht aber die starke humane Komponente des Berufs, seine direkte Menschlichkeit und Menschenbezogenheit.

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Kleinreisensiege

Skulptur “Sphären”, Oberfeld, Darmstadt

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Kommunikationswissenschaft ohne Landlust – große Leerstelle in der Erforschung öffentlicher Naturdiskurse

Wir führen neue Naturdiskurse, auch durch den Klimawandel. Sie sind explizit und implizit, gleichsam politisch relevant, gestaltend und (natur-)schutzorientiert wie kleinteilig, glorifizierend und rückzugsorientiert. Doch genau in dieser Aufteilung könnte ein Fehler liegen, der dazu führt, dass die Landhefte bisher in der Kommunikationswissenschaft kaum beachtet werden wie auch die in ihnen ausgebreiteten Themen: Natur und Zeit. Es gibt kaum Untersuchungen zu medialen Naturdiskursen im Unterschied zu Umweltdiskursen und Wissenschaftsdiskursen. Und die Zeit, deren Hauptkonstrukteure Journalisten sind, hinterlässt als Thema in der Forschung eine fast noch größere Leerstelle.

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Ca Mau, Dat Mui, Cần Thơ – Reisen im Mekong-Delta

Ich bin wieder in Vietnam, um Dozenten der Medienakademie im Umweltjournalismus zu trainieren; es geht um Küstenschutz und Aquakultur. Wir sind dafür im Mekong-Delta. Gleich zu Beginn fuhren wir it einem kleinen Boot bis an die Südspitze des Landes , in einen Nationalpark hinein, vorbei an armen Khmer-Dörfern, lebendigen Flussstädtchen, abgeholzten Ufern, Mangroven-Wald. Zwischen den Lehrtagen ging es wieder hinaus, dieses Mal mit Führungen zu Mangroven-Pflanzungen, erodierenden Dämmen und einer Shrimps-Farm – es gab so viel zu fotografieren und notieren, dass ich erst jetzt zum Sortieren komme. Ich werde den ein oder anderen Reisetext oder auch Umweltreportage daraus machen. Hier die ersten Eindrücke.

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Schreiben

Etwas aufschreiben heißt, über die Klippe der eigenen Gedanken zu springen, ein Stück hinabzufliegen und auf dem papiernen Grund dann halbwegs gekonnt in einer Form zu landen, die den Vorgang sichtbar und erinnerbar macht.

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Warum wir kurzsichtiger werden: Bernhard Pörksen zum „Kollaps der Kontexte“

Kürzlich hat Bernhard Pörksen im Philosophischen Radio (WDR 5, bei 41: 40) ein wichtiges Stichwort gegeben zur digitalen Kommunikation: „Kollpas der Kontexte“. Er erkennt eine Abkopplung der Inhalte von ihren Umgebungen und Ursprüngen, eine möglicherweise fatale Verdichtung:

Kommunikation in digitaler Form lässt sich blitzschnell aus ihrer ursprünglichen Verwendungssituation herauslösen. Wir geraten durch die Geschwindigkeit, die Hektik, den Äußerungsdruck und den Reaktions- und Interaktionszwang zunehmend unter Druck, machen mal kleinere, mal größere Fehler und schicken unsere Botschaften zu schnell weg – vielleicht in die falschen Kanäle. Die Lästermail, die schnoddrig formulierte SMS – all dies zeigt: Das digitale Zeitalter ist auch das Zeitalter der permanent produzierten Missverständnisse, weil unseren Kommunikationsangeboten, ich nenne es jetzt einmal so allgemein, die Verankerung im Kontext zunehmend entzogen wird. Es gibt so etwas wie einen Kollaps der Kontexte.

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Kraniche über Darmstadt, näher als anderswo – ein kleines Wunder Out of Trautheim:

Wir sind an die Ostsee gefahren, auf den Darß, um sie vom Ausguck aus großer Nähe zu sehen. Das ist uns zweimal nicht gelungen, sie waren immer hunderte Meter weg, standen in der flachen Boddenbuch im Nebel, erhoben sich von dort in die aufkeimenden Wintersonnenstrahlen des frühen Morgens oder kamen im Fahlrot des Abends über die Felder hereingeschwebt, um in der Bucht wieder zu übernachten. Sicher, es waren Hunderte in der Luft und Tausende im flachen Wasser. Ich hätte aber nie gedacht, dass ich später, heute, die schönsten Blicke auf Kraniche direkt über Darmstadt haben würde. Das war heute Morgen gegen 10.30. Da sind 80 Kraniche in drei großen V-Formationen  über das Martinsviertel gezogen; sie sangen dabei laut ihre trompetenden, blechernen Melodien des weitens Reisens. Es war ein besonderer Moment, so wie Tage mit großen Vögeln in klarer Luft immer etwas zu bedeuten haben. Hier, an diesem eher ungewöhnlichen Vogelort und so normalen Durchgangsort, vermute ich nochmal mehr. Dann ist mir noch aufgefallen, das im Teeladen auf dem Riegerplatz ein spanischer Wein steht, der Kraniche im Titel führt. Sie waren dann auch auf der Erde, was eine gute Abrundung hergab.

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Schilf- und Nebelmorgen in Trautheim

In der Senke, wo kein Haus hin kann. Es ist zu feucht. Dort ist die Grenze, hoffe ich.

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Handy und Fjäll – warum junge offenbar Norweger seltener loslaufen

Auf einer Wanderung durch den Wald bei Oslo, es wird dunkel. Es ist kalt, eisig, leise. Jeder muss auf den Boden schauen, um nicht auf der Eisdecke auszurutschen. Erst war die Rede davon, welche Outdoorkultur immer noch in Norwegen herrscht, wie oft die Leute in ihre Hütten gehen. Dann haben wir viel über Facebook geredet. Und dann sagte die Studentin, das sie keine zwei Tage mehr „disconnected“ sein kann. Es ginge einfach nicht. Eine andere stimmte ein, sie würde zu viel verpassen. Was?, fragte ich. Job-Angebote, Konzerticket. Und deshalb, weil junge Norweger nicht mehr disconnected sein könnten, gingen sie nicht mehr so oft raus. Kaum einer mache es mehr, Eltern, Großeltern – ja, die schon. „Im Gebirge hast Du keinen Empfang, also gehst Du nicht hin“. Eine Stunde später: „Wie viel öfter wir das machen müssten, nach der Uni einfach mal raus“. Sie habe jetzt runterkommen können, hätte neue Ideen gefunden. Wald, das sei essentiell. 15 min später: Alle sitzten in der U-Bahn, Schweigen, connected.

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Walreportage, Fischanalyse – meine letzten Texte (merian, faz)

Hier verlink ich kurz meine beiden letzten Texte aus diesem Sommer und Herbst:

FAZ, Fischerei: Aus diesem Netz gibt es kein EntrinnenDie Fischereireform der Europäer begann zu greifen, da droht sie schon wieder zu scheitern: Die jungen Fische werden weiter nicht geschont

MERIAN.De: Walsafari - Pottwale erheben sich wie eine Insel aus dem Meer, wenn sie minutenlang Luft holen. Dann schießen sie hinab bis in 1000 Meter Tiefe, wo sie Tintenfische suchen. Auf den norwegischen Vesterålen-Inseln sind die Kolosse immer da – garantiert der Anbieter der Walsafaris. Eine Überprüfung.

 

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Out-of-Trautheim: Gewittergänse am Oberfeld

Out of Trautheim lag kürzlich am Oberfeld, dem malerischen Flecken Acker in Darmstadts Osten, um den sich eine modellhafte Bio-Landwirtschaft aufgebaut hat mit allem, was dazu gehört. Auch mit Gänsen, die bis zu ihrer Schlachtung an St. Martin auf der Weide stehen und in diesem Fall mit ihrem astreinen Weiß einen scharfen Kontrast bilden zum grau-schroffen Herbsthimmel, den irgendwer vor uns angezündet und mit vielen Wolken versehen hatte. Das Oberfeld ist wohl das beste Wolkenschaufenster hier, da es eine Weite hat, die man in DA sonst seltener findet. Und das Feld hat Geschichte und Geschichten, zu lesen etwa in “Roman von einem Feld” von Katja Behrens.

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Zwischenhand

Hand dazwischen
zur Lösung der
Digitalfalle
Auswahlqual
Hatzhetze
Suchenmühen
Fundfehler
der gesamten
Samtlosigkeit
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Out-of-Trautheim: Ein kleines Stadträtsel…

Welche Stadt ist tiefer als viele anderen sichtbarst in der Urgeschichte verankert, schaut weiter als alle anderen in den Himmel und hat sich in den Wesenskern der Dinge namentlich ebenso unvergleichlich eingeprägt wie in die deutsche literarische Welt und die weltweite Sphäre der schönsten Designs und feinsten Kunstrichtungen? Wo ist also, um es beim Namen zu nennen, das eigentliche Zentrum?

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Out of Trautheim: Uferzonen – oder warum Südhessen in Wirklichkeit eine Insel ist

Ich begreife die drei Flüsse als Grenzen einer Region, wodurch eine Insel entsteht. Rhein, Main und Neckar müssen über Jahrtausende als natürliche Grenzen gewirkt und dabei tief eingeprägte kulturelle Muster hinterlassen haben. Ich weiß zu wenig über sie, aber die Vorstellung alleine, aus einer Insel heraus zu kommen, die von Flüssen gerahmt ist, treibt mich an: nach Heimat zu suchen und diese möglichen Muster aufzuspüren. In der Sprache, in den Städten, in den Geschichten des Landes.

Was mir nicht passt für meine Theorie ist die flussfreie, gut 30  Kilometer lange Strecke zwischen Miltenberg und Eberbach. Hier müssen umso mehr Nichtschwimmer in brückenfreien Zeiten hindurchgekommen sein, weshalb die Suche vor allem dort Sinn macht. Wer sich länger an den drei Ufern aufhält und ins Wasser sieht, versteht, warum Flüsse so wichtige Grenzen sind. Sie sind anziehende Grenzen. Die meisten stoßen ab, Flüsse sind daher in der Moderne grenzfremdelnd und doch die ältesten Grenzen die es gibt. Haben wir also ganz falsche Deutungen von Grenzen gelernt?

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Out of Trautheim: Von Hutzelweg und Habichtsflug – eine Wanderung über die Neutscher Höhe

Im Internetlexikon wird sie als Gebirgspass beschrieben, was ich für etwas übertrieben halte im Fall einer Anhöhe von rund 360 Metern, die eher ein weitgezogenes Hochplateau darstellt – ein wunderbares jedoch, nicht nur, weil hier vor 2000 Jahren die Römer schon  Waren herfuhren, von Dieburg und aus dem Odenwald. Die Hutzelstraße und die Gegend rund um die Neutscher Höhe sind eine feine Aussichtsfläche, die der Wind gerne gefangen nimmt. Daher stand hier auch das erste Windrad Süddeutschlands.

Von dieser langgezogenen Terrasse wandert mein Blick in alle Richtungen, nirgends stellt sich ihm mehr etwas in den Weg: in der Ferne die Wolkenkratzer Frankfurt mit dem EZB-Turm, indem ein paar Zahlenmenschen jetzt gerade Tasten drücken, um Europas Finanzen zu regeln und Griechenland zu retten, angeblich. Dann schaue ich zur Pfalz, dem Donnersberg und den Windrädern, die inzwischen zur Landschaft gehören so wie es die Strommasten tun. Die Senke des Rheins zeichnet sich ab, diesig am Horizont, immer wieder schemenhaft Wälder und viel offenes Land mit langen Häuserflecken, Türmen, grünen Inseln.

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Lehrplanung für das Wintersemester: Onlinejournalismus

Lehrverständnis

Wichtig für eine erfolgreiche Teilnahme sind Präsenz, aktive Teilnahme und das Erfüllen der Prüfungsleistungen. Entsprechen sind eigene Mitschriften vor Ort Grundlage für ein erfolgreiches Bestehen; viele, aber nicht alle Inhalte werden über Lehrmaterialien in Moodle wiederholt und dokumentiert.

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Vom Verlust der Zeit. Acht Empfindungen eines kulturellen Schmerzes

Diese Texte bereiten Vorträge vor, die ich im Rahmen von Seminaren und Veranstaltungen des Darmstädter Datterich-Festivals im Juni 2015 halte. Sie fragen danach, wie wir mit uns selbst, und damit mit unserer Eigenzeit, umgehen.

1 -Einfachheit ist schwer, wir sind vielfach und zunehmend vielfacher unterwegs

2 – Du nimmst das Handy nochmal und hoffst, dass das etwas Neues, Bedeutendes kommt, klickst, tippst, wischst, suchst. Dann ist da was, du spielst damit. Legst es weg, wiederholst alles. Eigentlich war da aber nichts. Nur Deine digitale Suche, aber die ist auch etwas. Also flirtest Du wieder mit dem Nichts.

3 - Was sagt die Zahl an Dingen aus ohne jeweils ihr Gewicht zu kennen? Immer nur die Breite des Angebotes abzuschreiten lässt keine Zeit, die Waage für das Ausgewählte heranzubringen

4 – Das Ausmaß der Vorbereitung übersteigt das der Nachbereitung. Wir schauen vor und selten zurück. Laufen viel an, heben seltener ab.

5 – Man sollte nicht mit Schnelligkeit versuchen, Langsamkeit zu beginnen. Habe ich zu oft versucht.

6 – Wenn das Leben ein Haus ist, dann ist Zeit ist der Stoff, mit dem es sich am besten bauen lässt. Fehlt er, wird es kalt und zugig darin

7 – Zeit ist die Hand, die Du Dir in jedem Moment reichen kannst. Warum auf diese Stütze verzichten?

8 Abschlussgedanke – Wenn ich kreativ sein will, vernetzen, voraus denken, durchdringen, zurückkehren, mich erinnern und dann alles miteinander in Bezug setzen will, muss ich neben der Schnelligkeit herlaufen dürfen: sich zurückziehen, mein Nichtwissen wohl organisieren, tools und trends zwar wahrnehmen, aber nicht unter ihnen sein. Mich auf all ihren Plätzen zu tummeln hieße, die wichtigste Quelle, die Muße, aufzugeben. Sie erzählt uns vor allem von dem, was wir noch nicht wissen, von der offenen Zukunft.

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Kann der Wald ein Schreibhelfer sein? Eindrücke von einem ersten Schüler-Seminar auf dem Darmstädter Waldkunstpfad

Wie inspiriert der Wald Schüler zum Schreiben und auch, bewusst wahrzunehmen und hinzuschauen, hinzuhören? Diese Fragen stelle ich mir letzte Woche beim ersten Schreibseminar unserer Agentur dasumweltinstitut. Ich war mit der neunten Klasse der Darmstädter Lichtenbergschule  drei Stunden im Wald, mitten auf dem Walkunstpfad, mit dem wir das Seminar ausgerichtet haben.

Deutschlehrerein Nicole Rosenthal hatte mit den 23 Schülern zuvor schon kreatives Schreiben versucht – mit gutem Erfolg, wie sie sagt. Der nächste Schritt war nun dieser andere Zugang, Natur wahrzunehmen: Schreiben. Vorstellungsrunde, eigene Erfahrungen mit dem Wald, ein paar Fakten zum deutschen Forst und Gedanken zur Beziehung  zwischen Mensch und Natur – danach ging es los in den Wald, der nah an der Schule ist.

 ”Die, die alles verbindet”

Bei der ersten Fragerunde mussten die Schüler ihre Assoziation von Wald finden. Heraus kam „Die, die alles verbindet“, Harmonie, Tiere,  Dunkelheit und Verborgenes, aber auch Blätter, Äste und Gedanken zu Details und einzelnen Objekten des Waldes. Wie kann man nun als jüngere/r Schreiber/in anfangen, wo soll ein Ansatz bestehen? Wir rissen einge grundlegende Wege an: still sitzen und lange beobachten, etwa einen Baum, ein Tier und dann in diese Mikroperspektive eintauchen. So, wie es die Autoren des nature writing, machen, das ich an der Hochschule gerade anfange zu erfoschen. Deshalb las ich auch Auszüge von Henry David Thoreaus “Walden” vor, aus Werken von Andreas Weber und auch ein eigenes Naturgedicht aus meinem Band “Schmallert”.

Einfacher ist es, den Wald auf ein Thema beziehen, was man schon mitbring, Klimawandel aus dem Unterricht oder die Wildschweine vor der eigenen Haustür, die im Stadtwald ein großes Thema sind. Oder sich in die Zukunft denken und Szenarien schreiben: Wie wird es dem Wald in 20 Jahren gehen? Es gab keinerlei Zwang, jeder konnte durch den Wald wandern, sich setzen und nachdenken, laufen und schreiben, zusammen und allein. Alles war möglich, damit die Hürden nicht zu hoch lagen. Nach einer Stunde sollten die Schüler etwas abgeben.

Nicht der erste Baum ist der beste

Es war schön zu sehen, wie viele erst ihren Platz finden mussten, in Gruppen von Baum zu Baum zogen, erst noch lauter waren und dann stiller wurden. Der Wald hatte sie eingenommen, zumindest die meisten. Nicht alle waren natürlich voll dabei, aber viele. Sie berichteten von Stämmen, die sie lange beobachteten, Gedanken zum Waldschutz, der Stille. Und viele gaben etwas ab. Jetzt bin ich gespannt auf die Durchsicht.

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Vietnam-Blog: Ein Land im Klimawandel – eine letzte Erinnerung

Ich frage mich, was bleibt nach diesen knappen zwei Wochen. Viele Beobachtungen, von denen ich schon geschrieben habe, aber auch Eindrücke, die nicht so leicht in Buchstaben fließen. Es ist das, was am Rande steht nach einer Reise, auch nach einer langen Recherche; das vielleicht Unausgesprochene, das uns aber stark gegriffen hat, als wir es nicht merkten. Hier ist es der Eindruck eines Landes, das mit einer riesigen Geschwindigkeit an sich selbst vorbeirauscht – wenn es seine Ressourcen verliert, die Flüsse trocken fallen, der Wald gerodet ist. Und wenn es gleichzeitig so vielen Menschen besser geht als vorher, weil der Tourismus kommt, vieles doch funktioniert, was woanders nicht geht: Sauberkeit und Sicherheit etwa.

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