Umweltjournalismus – ein erstes Studienangebot in Deutschland

26. Januar 2012
In den USA gibt es fast 30 Modelle für arbeitende und angehende Journalisten, sich zu Umwelt und Nachhaltigkeit aus- oder fortzubilden. In Deutschland gab es bisher kein einziges Programm, weder an Hochschulen noch an Akademien. Das wird sich im Herbst 2012 ändern: Die Universität Lüneburg bietet ausgehend vom Institut für Umweltkommunikation für Journalisten mit Studienabschluss und ersten Berufserfahrungen das zweisemestrige Zertifikatsprogramm „Nachhaltigkeit und Journalismus“ an.

Es wird darin um Themen wie Nachhaltigkeits- und Umweltpolitik, grüne Ethik, Umweltbewusstsein und insbesondere auch um die wirtschaftlichen Aspekte des Trendthemas Nachhaltigkeit gehen. Grüne Themen sind – als Reaktion auf die gleiche Entwicklung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – auch medial in den vergangenen Jahren viel wichtiger geworden. Die mediale Bildungslandschaft hat aber nicht reagiert, jetzt wird ein Anfang gemacht. Bewusst geht es um Nachhaltigkeit – und damit auch darum, den journalistischen Blick auf ökologische Themen um soziale und ökonomische Sichtweisen zu erweitern.

Neben wissenschaftlichen Hintergründen zu Risikokommunikation, Umweltkommunikation und Umweltjournalismus steht viel journalistische Praxis auf dem Plan: von Stilistik über Stilformen bis zu Recherche und Interviewtraining. Weitere aktuelle Hintergründe finden sich ab dem Frühjahr auf den Seiten der Universität Lüneburg und auf dem Blog www.euroreporter.de, da wir mit DASUmweltinstitut an dem Projekt beteiligt sind.

Buddhistische Zugänge zu Umwelt und Nachhaltigkeit – selten aber gehaltvoll

12. Januar 2012

Ich habe mich in den vergangenen Jahren durch einige buddhistische Werke gekämpft, vor allem Dalai Lama-Bücher, deren kluge Botschaften sich allerdings irgendwann etwas wiederholen. Immer dacht ich, dass es doch auch Verbindungen zum ökologischen Denken geben müsste, da die buddhistische Philosophie so viele Ansätze dafür bereit hält: Jedes Lebewesen ehren, die Lehre der gegenseitigen Abhängigkeit und des bedingten Entstehens, ja selbst die Wiedergeburt, wenn man sie im klassischen Sinne begreift. Dennoch habe ich keine Texte gefunden, die explizit zu Umweltschutz und grünem Denken Bezug nehmen. Bis ich auf die Seite „Buddhanetz“ gestoßen bin, wo zahlreiche Texte versammelt sind. Darunter auch Thesen von Thich Nhat Hanh, der in seinen Büchern durchaus hie und da bewusst den Bezug der Lehre zur Ökologie herstellt. Viel Spaß beim Lesen!

Eine globale Zeremonie: Schamanen warnen vor dem Klimawandel

08. Januar 2012

Ich habe gerade einen Bildband gelesen, der mich beeindruckt hat – nicht unbedingt wegen der Bilder sondern der Botschaft, die das Projekt aussendet, um das es geht: 2009 trafen sich Schamanen und Heiler aus aller Welt, um nach langer Zeit in Grönland wieder ein heiliges Feuer zu entfachen und damit auf die Folgen des Klimawandels hinzuweisen, unter denen die indigenen Völker besonders leiden. Das Buch stellt verschiedene Schamanen aus Afrika, Neuseeland, Kanada, den USA, Brasilien und Russland vor – und lässt sie von ihren Visionen und Überzeugungen berichten. Auch Jane Goodall nahm an der Zeremonie teil. Der Band erinnert insgesamt daran, dass altes Wissen von kundigen Beobachtern verloren geht oder kaum gehört wird. Und dass es lohnt, hinzuhören, wenn Naturvölker und ihre Boten von bedrohter Natur sprechen. Und wie es gelingen kann, den Bedrohungen entgegenzutreten. Das Buch heißt „Heiliges Feuer – Schamanen und Älteste der Welt“ und ist von Angela Babel und Sven Nieder verfasst.

‘Wir brauchen wandernde Schutzgebiete’ (Eigentext, Deutsche Welle)

21. Dezember 2011

Volker Homes, Artenschutzleiter beim WWF Deutschland, erklärt im Gespräch mit Global Ideas, wie sich Afrikas Nationalparks dem Klimawandel anpassen müssen, um Menschenaffen besser zu schützen.

Große grüne Fundgrube: Das Lexikon der Nachhaltigkeit

20. Dezember 2011

Die Aachener Stiftung Kathy Beys betreibt eine wertvolle Fundgrube für grünes Wissen: Im stets aktuell gehaltenen Lexikon der Nachhaltigkeit findet sich äußerst vieles – von dänischen Nachhaltigkeitsindikatoren bis hin zur Thüringer Agenda 21. Ich kenne kein vergleichbares Online-Nachschlagewerk zu diesem großen Themenkreis. Es hilft allen, die sich für Fragen des nachhaltigen Lebens interessieren – und darüber hinaus.

Soziale Ökoforschung – ein Überblick

13. Dezember 2011

Welche sozialwissenschaftlichen Forschungsprojekte gibt es denn aktuell?  Das Forschungsministerium fördert viele – und hält einen Überblick im Netz bereit. Ganz nützlich, wenn man sich diese Perspektive auf Umweltthemen mal näher anschauen will. Etwas, das im Umweltjournalismus nun häufiger geschieht, wie es scheint. Zum Glück!

Teuer erkaufte Türen (Eigentext, Stern.de)

12. Dezember 2011

Der Klimagipfel in Durban hat vieles unklar gelassen. Aber doch erreicht, dass weiter unter dem UN-Dach verhandelt wird. Das ist der eigentliche Erfolg der Konferenz. Ein Kommentar von Torsten Schäfer

Es war der längste Klimagipfel der Geschichte, ein Treffen der Unglaublichkeiten: Die Durban-Konferenz dauerte eineinhalb Tage länger als gedacht und eigentlich möglich. Denn die Räume waren nicht mehr gebucht, als die Minister am Samstagabend tagten. In der Nacht zuvor durfte die Klima-Runde dafür schlafen – was unter anderem ein schnelleres Ergebnis verhindert hat. Am Ende gab es Chaos pur: Tagungen zwischen Umzugskisten und Teilnehmer, die bei den entscheidenden Gesprächen schon im Flugzeug saßen. Die südafrikanische Leitung hatte den Gipfel nicht im Griff. Er drohte, an Organisation und Logistik zu scheitern. Er tat es aber nicht.

Die Verpflichtungen im Kyoto-Protokoll werden, wenn auch nicht für alle, weitergeführt. Der grüne Klimafonds für Entwicklungsländer soll kommen. Und es gibt einen Fahrplan für einen neuen globalen Klimavertrag, dem sich erstmals auch Schwellenländer wie China und Indien unterwerfen wollen. Vor allem aber hat Durban entgegen den Erwartungen vieler eines erreicht: das UN-Dach bleibt bestehen. 194 Länder können weiter im internationalen Haus verhandeln, um eine global gültige, rechtsverbindliche Antwort auf den Klimawandel zu finden. Eine Klimawelt der Beliebigkeit, der ein gemeinsamer Wille fehlt, wurde verhindert. Das ist der eigentliche Erfolg von Durban, wo sich die Tür auch hätte ganz verschließen können. Danach sah es lange aus. Lies den Rest des Artikels »

Dem Klima gefährlich nah – Indigene Völker bekommen steigende Temperaturen früh und stark zu spüren – gerade in kalten Regionen. Aktivisten haben einen Überblick verfasst

08. Dezember 2011

Eine Klima-Studie zu haben bedeutet ein Argument in der Hand zu haben – oder mehrere. Damit steigen Glaubwürdigkeit, Sprachmacht und Sichtbarkeit, kurzum also der Einfluss, den ein Staat, ein Verband oder ein Unternehmen auf Klimaverhandlungen wie die in Durban nehmen kann.

 Ohne größeren Einfluss sowie eigene Forschungseinrichtungen ist eine weltweit vertretene Bevölkerungsgruppe, die die Organisation Survival International „die ersten Wissenschaftler“ nennt: indigene Völker, seien es Yanomami in Brasilien, Inuit in Kanada oder Sami in Finnland. Durch ihre naturnahe Lebensweise spüren sie die Auswirkungen des Klimawandels besonders früh, sehen Indikatoren der Erderwärmung, die noch kein gewöhnlicher Forscher kennt. Deshalb müsste ihr Wissen viel stärker in die Debatte eingebracht werden, sagt Stephen Corry, Chef der 1969 in London gegründeten Initiative. „Es ist wichtig, dass ihr Wissen und ihre Ansichten endlich eine Berechtigung erhalten. Indigene Völker sollten eine größere Rolle bei Entscheidungen zum Klimawandel spielen“, sagt Corry.

Um den Ureinwohnern eine Stimme zu geben, hat Survival International einen Bericht verfasst: Darin kommen besonders Indigene aus kälteren Regionen zu Wort – auch aus Europa: “Früher konnte man im Vorhinein sehen, welches Wetter es geben wird. Diese Anzeichen und Fertigkeiten haben keine Gültigkeit mehr“, erklärt Veikko Magga, ein finnischer Sami-Hirte. Sami aus Norwegen, Finnland, Schweden und Russland erzählen von der schwerer werdenden Nahrungssuche der Rentiere. Und von Flüssen, die kein Eis mehr tragen und nicht passiert werden können. Lies den Rest des Artikels »

Umweltpolitische Erfolge – ZEIT und Spiegel zeigen sie. Endlich!

05. Dezember 2011

Es ist immer öfter die Rede davon, warum es wichtig ist und an der Zeit, grüne Erfolge, Lösungsstrategien und Vorbilder in den Blick zu nehmen. Dazu habe ich auch einmal einen kurzen Artikel verfasst. Jetzt zeigen die ZEIT und Spiegel online in aktuellen Beiträgen, was umweltpolitisch schon alles erreicht worden ist. Sie drehen den sonst negativen und kritischen Blick, der ob der eminenten ökologischen Probleme sicher zurecht dominiert, einmal um – wie wohltuend, wie wichtig, wie motivierend!

Spiegel online: Die Luft ist rein - Trotz schmelzender Gletscher und steigendem CO2-Ausstoß gibt es Erfolge im Schutz von Umwelt und Klima: Unsere Atemluft ist reiner, Deutschland ist Recycling-Europameister und die Ozonschicht genesen. Eine Bilanz, die hoffen lässt.

ZEIT: Klimawandel Es geht voran – Während beim Klimagipfel in Durban die Politiker noch streiten, haben Praktiker in aller Welt längst Lösungen gefunden.

Green Quotes: Rem Koolhaas

01. Dezember 2011

“Ökologie ist das Ornament des 21. Jahrhunderts” – Rem Koolhaas, Architekt

Ist die Klimakonferenz in Durban der Scheidepunkt? Ein Pro und Contra

30. November 2011

Was ist eigentlich, wenn uns diese Klima-Konferenz wirklich um die Ohren fliegt und das UN-Regime am Ende ist? Wenn es also keinen gemeinsamen Rahmen gibt, über die Dinge zu sprechen und sich Ziele zu setzen? Das muss in Durban nicht unbedingt mit dem ganz großen Knall passieren, weil die Staaten sich vermutlich wieder in einem Klein-Klein verhakeln, bei ausgewählten Unterpunkten Teilerfolge erzielen, dies dann als Gewinn verkaufen und die Frage nach einem neuen Klima-Abkommen bzw. der Verlängerung des Kyoto-Systems erneut vertagen. Das wäre wohl der schleichende Beginn des Endes, kaschiert von weichen Kompromissen und kleinen, zu Forschritten aufgeblasenen Fußnoten.

Vielleicht aber gibt es auch den großen Knall wie in Kopenhagen und alles geht viel schneller: China und die USA blockieren, die Stimmung kippt und weitere Vertrauensverluste sind die Folge. Schon jetzt hat man als gelegentlicher Beobachter dieses Klimageschehens den Eindruck, spürt es irgendwie beim Lesen und nach Gesprächen mit Kollegen, dass die Luft raus ist und das große Ganze gerade schon dem Klein-Klein weicht. Lies den Rest des Artikels »

Fundgrube für Klima-Ideen: die Spiekerooger Klimagespräche

25. November 2011
Eine jährlich stattfindende, hochkarätig besetzte und noch nicht so bekannte Veranstaltung aus dem grünen Spektrum sind die Spiekerooger Klimagespräche, die in „Ergebnissen und Botschaften“ die Resultate aus Workshops wiedergeben, Thesen formulieren und Texte empfehlen.  Eine wahre Fundgrube mit prägnanten Aussagen und vielen Ideen! Schön fand ich spontan die These von Arne Dunker, Geschäftsführender Gesellschafter des Klimahauses in Bremerhaven, der 2011 dabei war.
Immer neue Krisen-Meldungen und eine mediale Informationsüberflutung fördern in der Bevölkerung das Gefühl einer Hilflosigkeit gegenüber Bedrohungen der eigenen Zukunft. Gleichzeitig bleibt die vielfach angekündigte Klimakatastrophe scheinbar aus, weil uns der Klimawandel nur in einem schleichenden Prozess unserer Lebensgrundlagen beraubt. Als Konsequenz konzentrieren sich immer mehr Menschen auf ihr individuelles Lebensglück und wenden sich von Gemeinschaftsaufgaben wie dem Klimaschutz ab. Als Gegenmittel müssen abstrakte Begriffe wie „Klima“ mit Leben gefüllt werden. Wer begreift, wie tief persönliches „Glück “ vom Klima geprägt ist, gibt dem Wort Klimaschutz einen viel höheren Stellenwert. Der Anstoß zum Umdenken richtet sich vor allem an junge Menschen. Sie sind offener für Neues als „Alte“, werden nicht durch vorgeprägte Verhaltensmuster im Handeln eingeschränkt und können als Botschafter Einfluss auf Ältere nehmen. Im Vordergrund muss auch für sie das positive Beispiel stehen. Deswegen brauchen wir – als Kontrapunkt zu der zögerlich wirkenden politischen Ebene – eine bessere Sichtbarkeit von Akteuren, die in Wirtschaft und Gesellschaft erfolgreich nachhaltiges Handeln vorleben und ein neues Verständnis von Verantwortung vermitteln.

Moschus-Gefahr

23. November 2011

Wilde Tiere, vor denen man gewarnt wird, gibt es in Europa nicht so viele. Man denkt vielleicht noch an Wolf und Bär. Aber nicht an die augenscheinlich kuhartigen aber doch ziegenverwandten Moschusochsen, die im norwegischen Rondane-Nationalpark, wo wir kurz Rast machten, offensichtlich eine warnenswerte Gefahr darstellen, wie das mit der Hüftschusstechnik gemachte Bild beweist. Wildes Europa, Du lebst!

Wie aus Paragrafen neue Wildnis wird (Eigentext)

10. November 2011

Die EU trägt mit ihrer Umweltpolitik maßgeblich dazu bei, dass wilde Tiere zurückkehren können und ihre Lebensräume geschützt sind. 

Die Wildnis kehrt nach Europa zurück, doch sie tut es nicht von allein. Der Mensch hilft nach – insbesondere Naturschützer, die in Europa seit Jahrzehnten für bedrohte Arten kämpfen. Gelege bewachen, Bestände zählen oder Jungtiere auswildern. Ohne dieses Engagement könnten sich verloren gegangene Wildtiere kaum wieder ausbreiten. Das wilde Europa hat auch einen politischen Rahmen: Jagdverbote, Schutzgebiete und Wiederansiedlungen, die Staaten auf den Weg gebracht haben – und damit die Europäische Union zu mutigen Gesetzen inspirierten. Den Anfang machte die EU mit der Vogelschutz-Richtlinie, die eine Antwort auf die Vogeljagd in Südeuropa war. Als sie 1979 in Kraft trat, unterlagen mit einem Mal alle europäischen Vogelarten einem Jagdverbot, das nur wenige Ausnahmen kennt (mehr zu lesen bei GEO.de).

Umweltjournalismus-Interview mit Nick Reimer

08. November 2011

Die freie Journalistin Pauline Tillmann hat mit Nick Reimer, Chefredakteur von Wir Klimaretter und häufiger Gast im Seminar „Erneuerbare Energien für Journalisten“ der Friedrich-Ebert-Stiftung, ein ganz interessantes Interview über den Umweltjournalismus geführt. So etwas hat Seltenheitswert in der brachen umweltjournalistischen Theorie-Landschaft und verdient auf jeden Fall Aufmerksamkeit.

Seminarbericht: Europajournalismus in Brüssel

04. November 2011

Im Oktober habe ich zum sechsten Mal für die Friedrich-Ebert-Stiftung eine Gruppe Journalisten durch Brüssel geschleust, um ihnen den Europajournalismus und das Thema europäische Öffentlichkeit näher zu bringen. Entstanden sind ein längerer Seminarbericht und eine Bildergalerie.

Wir müssen wirtschaftlich schrumpfen! Sagt der Ökonom Niko Paech

28. Oktober 2011

Der Oldenburger Ökonom Niko Paech hat auf GEO.de ein sehr spannendes Interview zu unserer Art des Wirtschaftens gegeben. Hier ein Auszug:

Konsumieren ist unglaublich zeitaufwändig. Wir müssen immer mehr Kaufmöglichkeiten verarbeiten, abwägen, vergleichen, etwas auswählen und uns damit beschäftigen. Aber der Tag hat nur 24 Stunden. Die frei verfügbare Konsumzeit müssen wir aufteilen auf ein immer größeres Quantum an Konsumaktivitäten, die wir uns leisten können. Denn die Kaufkraft, auch wenn die Linke und die Gewerkschaften das Gegenteil behaupten, ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen – selbst in den Milieus, die man als “arm” bezeichnet. Das führt zu immer mehr Zeitnot, Stress, bis hin zu Burnout und Depression. In reichen Konsumgesellschaften ist Depression mittlerweile die Zivilisationskrankheit Nummer eins.

Können wir auch ohne Auto leben? Können wir glücklich sein, wenn sich fünf oder zehn Leute ein Auto teilen? Können wir ohne Urlaubsflüge leben? Können wir damit aufhören, Einfamilienhäuser in die Landschaft zu setzen? Können wir Elektrogeräte und andere Konsumgüter langlebiger machen, auch indem wir sie selbst reparieren? Können wir mit der Hälfte an Geräten auskommen, indem wir sie uns teilen? Wollen wir die Kultur des Bestanderhalts zur Prämisse unseres neuen Lebensstils machen? Wenn wir dazu bereit sind, gibt es kein Problem. Aber ein Festhalten an dem derzeitigen Versorgungs- und Verschleißniveau und eine Postwachstumsökonomie – das schließt sich aus.

Europa-Journalismus: Ein guter Einstieg über das Journalistik-Journal

27. Oktober 2011

Wer sich dafür interessiert, wie die EU in Medien dargestellt wird, warum nicht oder wie dies besser geschehen könnte, der lese einmal die kompakten Forschertexte im Dortmunder Journalistik-Journal. Sie sind zwar von 2008, aber in ihrer Essenz immer noch gültig. Da lassen sich viele Antworten auf die Fragen danach finden, warum denn so wenig über die EU bekannt ist, sie oft ein Objekt von Spott und Hohn wird – und weshalb die EU-Länder alles so unterschiedlich diskutieren und denken.

Tipp: Dokumentation zur Überfischung

24. Oktober 2011

Am Freitag lief auf ARTE eine sehr zu empfehlende Dokumentation zur Überfischung der Meere. Den Film kann man sich in der Mediathek noch anschauen. Der Sender schreibt über “Der letzte Fisch”:

Noch immer werden rund 90 Millionen Tonnen Fisch pro Jahr aus den Weltmeeren gezogen. Doch die scheinbar unerschöpfliche Nahrungsquelle erweist sich als endlich. Immer mehr Fischarten verschwinden. Kein Wunder, denn bis zu 90 Prozent eines jeden Fischzugs wird als sogenannter wertloser Beifang wieder über Bord geworfen. Fischproduzenten täuschen die Verbraucher, indem sie zunehmend auf Aquakulturen von Meeresfischen setzen, um so die Ozeane angeblich vor der Überfischung zu retten. Doch Meeresökologen weisen nach, dass diese Aquakulturen den Fischereidruck noch verschärfen. Denn um ein Kilo Fischfleisch in einer Aquakultur heranzuziehen, braucht man bis zu fünf Kilo Wildfisch, der in Form von Fischmehl verfüttert wird. Somit wird eine negative Bilanz geschaffen. Namhafte Experten sind der Auffassung, dass es für das Problem der weltweiten Überfischung eine Lösung gibt. Sie sind davon überzeugt, dass eine nachhaltige Fischerei möglich ist. Doch der Weg dorthin verlangt radikale Schritte. Und die entsprechenden Maßnahmen müssen jetzt eingeleitet werden. Am Ende aber wird das Meer den umsichtigen Umgang mit seinen Schätzen belohnen, so die Wissenschaftler.

Kleine Tiergeschichten: Fürsorgliche Orcas auf den Lofoten

21. Oktober 2011

Im September bin ich auf die norwegische Inselgruppe der Vesterålen gereist, um an der nördlichsten Spitze, im Fischerdorf Andenes, Pottwale zu beobachten. Die 18 Meter langen Meeressäuger waren tatsächlich zu sehen: gleich fünf von ihnen, vielleicht nur 50 Meter vom Boot entfernt und viel näher an der Küste als sonst, wie die Guides an Bord berichteten. Es war ein beeindruckendes Erlebnis, das ich einmal an anderer Stelle vorstellen will. Mindestens genauso berührend war das, was einer der Walforscher nach der Tour erzählte.

Er sprach zunächst von den Orcas vor den Vesterålen. Bisher gingen die Walforscher davon aus, dass die Schwertwale nur zu Besuch kommen, ihre Reviere jedoch auf den benachbarten Lofoten und im südlicheren Tysfjord hätten. Erst seit diesem Sommer sind sich die Wissenschafter sicher, dass es auch vor der den Vesterålen eine eigene Gruppe gibt, die sie nun genauer erforschen wollen – so, wie es Kollegen auf den Lofoten schon länger tun. Dort gibt es mehrere Orca-Familien, von denen drei eine berührende, äußerst menschlich anmutende Art der Fürsorge entwickelt haben.

Sie füttern zusammen ein Orca-Männchen durch, dass nicht mehr jagen kann, weil es von einem Schiff verletzt wurde. Abwechselnd, so erzählte der Wal-Guide aus Andenes, bringen sie dem kranken Bullen Fische und sichern so sein Überleben. Wenn Gefahr droht, etwa durch vorbeifahrende Schiffe oder andere, unbekannte Orcas, nehmen zwei Männchen den lahmen Artgenossen zwischen die Flossen, um ihn zu beschützen.

Die Geschichte hatte mich noch mehr darin bestärkt, Schwertwalen näher kommen zu wollen und das zu versuchen, was in meinem Reiseführer steht: mit den Orcas zu schnorcheln, am besten vor der Ortschaft Henningsvær, die eine Art Zentrum für Meeressafaris auf den Lofoten ist. Leider hatte der Autor des sonst sehr guten Reiseführers nicht geschrieben, dass die Ausfahrten mit dem Schlauchboot nur im Herbst und Winter stattfinden, wenn die Orcas den Heringen folgen und näher an die Küste kommen. Dann zieht man den Neopren an, springt ins arktische Wasser und kommt sehr nah an diese gut erforschten und dennoch so geheimnisvollen Wesen heran.

Mehr zu lesen gibt es in der Reportage der Kollegin Nadine Kraft, die in GEO Saison über die Orcas von Henningsvær geschrieben hat.