Zwischen Himmel und Herde: Emil

Es war ein Mittag am Mien-See in Småland, diesem fast kreisrunden Gewässer, das aus einem Kometeneinschlag hervorgegangen ist. Ich sah das Schild im Augenwinkel, im letzten Moment: Angelführer mit Boot, bitte anrufen, jederzeit. Meine Versuche, in eigentlich besten aber dafür umso größeren Gewässern vom Ufer aus erfolglos die fischereilichen Schätze zu heben, sind ungezählt. Also notierte ich die Nummer auf dem Plastikschild, das  auf einer Scheune am Straßenrand klebte. Und rief an. Nicht die dunkle Stimme eines wettergegerbten Wildnismenschen war knarzend zu hören, sondern ein junges Fisteln, fast zart und in jedem Fall scheu.

Ja, Morgen um 6.30, bis 9. Dann müsse er wieder arbeiten im Elchpark, wo er an der Kasse säße jetzt in den Ferien. Kurze Sätze, nicht viel Aufhebens. Kaum hörbar. Das war Emil. Er war mein Führer über den großen See am nächsten Morgen. Und er war ein Mensch, den ich mit einer Landschaft habe verschmelzen sehen.

Der Mien war sein See

Der Mien war sein See, der seines Vaters und Großvaters. Sie waren Berufsfischer, jetzt gab es keine mehr dort. Nur Angler, of Deutsche, die Schwierigkeiten mit dem eigenartigen Gewässer hatten, seinen plötzlichen Untiefen, steil emporragenden Unteewasserbergen, den schlecht zu findenden Kanten und Abbrüchen, den kleinen Inseln und ihren unterseeischen Bedeutungen.

Emil kannte sie alle, und er zeigte gerne, dass alles seins war. Schlaksig, 19, Baseballkappe nach hinten, Kippe im Mundwinkel, wehende Haarsträhnen, die Hand lässig am Außenborder und bei voll aufgedrehtem Maschine noch eine Geschichte über den Miensee herauskramen, die Pausen abwarten, in denen der Zuhörer in die Weite sieht, harte, leise Sätze, abrupte Enden – so habe ich ihn in Erinnerung. Ein Stück berechnend, dann wieder unschuldig, fast immer cool. Durchaus gespielt, aber auch dieses Spiel war cool. Ebenso seine Überheblichkeit.

Drei Frauen

Drei Frauen habe er gerade, da sei noch die Jagd, erzählte er, um dann alle geschossenen Elche, Füchse und Hirsche hintereinander aufzuzählen. Als endlich, in letzter Minute, noch ein Zufallshecht im gleißenden Mittagslicht meinen Spinner schnappte, zog Emil im Boot nur die Brauen hoch: „Halber Meter, Das nehmen wir als Köderfische für die Großen.“ Der Mien hat große Hecht, aber keine Krokodile. Emil war es egal so lange er Stoff hatte, mit dem er die Landschaft und ihre Wesen weiter ausmalen konnte.

Für ihn war der See auch eine unterirdische Welt, die er ertauchte: auf der Jagd nach abgerissenen Ködern, verlorenen Messern, um die Fische zu sehen, die er fing und fangen ließ. Jede Landzunge und jeder Barschberg, sie hatten Namen, die zu Emils innerer Landschaft ebenso gehörten wie die kleinen Felseninseln, die manchmal aus dem Nichts der Nebelwände auftauchten, die wir mit dem Boot auf der Suche nach den Scharkanten immer wieder durchschnitten.

Auf den größeren Inseln stieg Mischwald an, die kleineren mussten mit nacktem Fels und ein paar Birken auskommen. „Manchmal ziehe ich mich dorthin zurück.“ – Warum? -  „Kein Grund. Zum Nachdenken. I don’t know.“ Er hatte Geschichten, aber keine großen Worte. Stattdessen dieser verschlagenen Blick der zuerst so fern von tiefer Naturliebe schien. Sein Verhältnis zum See war dagegen genau das, tiefe Liebe.

Er sah auf mich herab

Er fuhr plötzlich an die steile Felswand einer Insel mitten im Mien heran und erzählte, wie er und seine Schwester hier früher verstecken spielten während der Vater die Netze ausbrachte. Seine Schwester war dann eine dieser Wände herabgestürzt, sie fanden sie rechtzeitig. Er sprach von nächtlichen Fahrten über das Wasser. Gewitter. Kilometerweiter Einsamkeit, die er als Einzelgänger suchte.

Emil sah auf die ausländischen Angler herab, die er über den See fuhr. „Weil ihr auch die Kleinen mitnehmt“. Er sprach nicht vom gesetzlichen Mindestmaß sondern von seinem eigenen. „Ein Meter, darunter setzen wir alles zurück – es sind meine Fische“. Er war forsch, fabulierte in aller Unhörbarkeit, räsonierte, schwieg dann wieder und sah in die Ferne. Er war andächtig und machte dann wieder seine markige Seeshow mit allerlei Wildnisgeschichten. Aber an ihnen war alles Entscheidende real, es war zu fühlen. Geschehene Erlebnisse, vorgetragen als Show, für den Tourist, ihn selbst, die Kumpels im Dorf, die Mädchen am Ufer, für wen auch immer. Daran dachte er nicht. Er wollte in der Welt der Geschichten, zu der auch Smaland gehört, nur sein Revier markieren, ohne Zielgruppe im Sinn.

An der Kasse in Schwedens kleinstem Elchpark

Weiter gehen sollte es für Emil nach dem Job an der Kasse des kleinsten schwedischen Elchparks – „gerade haben wir einen “– in Australien. Oder Neuseeland. Eine dieser verheißungsvollen Ecken seiner Generation. Klettern vielleicht, Rumhängen, Feiern. Wieder dachte ich da, dass es fast keine Europäer unter 30 gab, die noch nicht down under waren. Zum Glück war ich über Dreißig und deshalb in der Minderheit, was mir meistens sympatischer ist.

Emil würde seinen See verlassen. Einen Moment lang verlor ich mich in uferloser Romantik und war traurig deswegen. Ich hatte ihn bereits als Figur in meine Naturideale einsortiert, hatte ihm eine Rolle zugedacht. Aber ich wachte auf. Dachte, als er mich mit den Barschen wieder in der Schilfbucht abgesetzt hatte und als immer kleiner werdende Silhouette zwischen den Inseln verschwand, dass er auch anders über seinen See gesprochen hatte. Nicht nur über die Stille, das Lilagrau der Morgennebel, die Grundwasserquellen an den tiefsten Stellen, das Meteoritengestein, das die Menschen hier sammelten.

Er sprach auch über die überfischten Bestände, den bedrohten Saibling, den es nur hier gab, sterbende Berufe. Und über die Einsamkeit einer schwedischen Waldjugend. „Was sollen wir hier schon machen?“ Augenzusammenziehen, Motor rumreißen, Blick zu den Inseln, nächste Stelle suchen.

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ZWISCHEN HIMMEL UND HERDE. Rand- und Reisenotizen zu Natur, Medien und Zeit

Blick auf die Berge der westlichen Lofoten (Torsten Schäfer)

Blick auf die Berge der westlichen Lofoten (Torsten Schäfer)

Mit diesen Zeilen startet ein schon länger geplantes, alchemistisches Vorhaben. Aus vorhandenem Material soll Neues entstehen, aus gesponnenen Fäden ein anderer Strang werden. Die Blogs, Verse, Bilder und Aphorismen fangen ganz Verschiedenes ein: Fremde Zitate, eigene Reiseeindrücke, Gedanken über Journalismus und gesellschaftliche Reformen sowie Beispiele für alternative Erzählformen oder gelungene Geschichten über wilde Natur, lodernde Landschaften und den weiten Norden, meine Reiseregion.

Ich arbeite mit bekannten und suche gleichzeitig nach neuen Wortgefäßen – also solchen Formen, die zwischen Journalismus und Literatur changieren, dabei auch in anderen Sphären Anleihen aufnehmen und letztlich immer wieder zurückkehren zu größeren Frage, wie sich der relevanteste Seinskontext, unser Erdzusammenhang, anders und wirksamer beschreiben lässt. Es gibt dafür das wunderbare angloamerikanische nature writing, guten Umweltjournalismus, feine Reiseschreibereien und große multimediale Erzählungen, also gutes Storytelling, zu dem ich an der Hochschule Darmstadt forsche. Von alldem soll hier die Rede sein – mit analytischer Distanz und experimenteller Praxis. Ich will sammeln und selbst Versuche wagen. Denn es ist Zeit, neues Schreiben auszuprobieren.

Und es ist Zeit, einen anderen Umgang mit Zeit zu testen und dabei Mußeräume zu suchen, auch versteckte und ungewöhnliche. Wenn ich die Pforten dorthin gefunden habe, werde ich es feiern. Denn im Alltag unerwartet Orte zu finden, in denen sich die Zeit verformt, das gehört zu den besten Reiseerlebnissen. Es ist weites Reisen auf kurzer Strecke. Manchmal ist es unsagbar. Oft ist es auch flüchtig und brüchig und vergeht zu schnell. Doch wenn ich es aufschreibe, bleibt es – zwar auf eine andere Art, aber eben doch. Ich kann es erhalten.

Rothirsch von der schottischen Insel Isle of Jura (Torsten Schäfer)

Auch wir sind Rehe. Oder Hirsche.

Grenzen spielen bei dieser ganzen Suche weniger eine Rolle. Es geht vielmehr um Grenzabbau und Öffnung. Und um die Vorstellungen von unterschiedlichen Zukünften, denn weithin herrscht gesellschaftspolitische Visionslosigkeit; auch in meinem Metier der Lehre und Forschung. Vielleicht sind es aber gerade wir Dozenten, die sich stärker zu Wort melden müssen – mit begründeten Utopien und wichtigen Erinnerungen an die universellen Werte, die in unsere Taten eingeflochten sind. Zu ihnen zähle ich auch die Nachhaltige Entwicklung (LINK GJ). Sie ist die Matrix für alles, die Szenerie im Hintergrund, vor der hier aber das Schreiben über Lebendiges, über wilde Orte und feine Worte, stehen soll.

Zwischen Himmel und Herde – diesen Titel habe ich gewählt, weil ich oft zwischen Himmel und Herde stand, wenn ich draußen war. Meistens waren es Rehherden, die wir beobachteten, bevor wir hinterher rannten und dabei immer verloren. Ich empfinde diese Tiere noch immer als magisch, auch wenn sie uns so gewöhnlich erscheinen. Und doch macht das Reh viele unbekannte Kapriolen und verliert – ganz im Gegensatz zu anderen Arten – auch nicht in Gefangenschaft seine Scheu. Deshalb ist das Reh auch kaum in Wildgehegen oder Zoos zu sehen; Capreolus Capreolus ist nicht umsonst sein lateinischer Name.

Flussufer und Hochebene – ein Text, zwei Räume

Ich betrete in den Blogs meist zwei Räume: das Flussufer, das ich auf Grüner-Journalismus mit größere Nähe zum realen Geschehen abschreite und von dem aus Pfade auf die Hochebene führen, wo die Texte und Gedanken unberechenbarer und wilder werden. Der Euroreporter ist dazu da, um sie aufzufangen.

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Endlich fertig: Mein Arbeitsbuch “Text und Recherche”

Ich veröffentliche hier mein “Arbeitsbuch Text und Recherche”, in dem viele Lehrmaterialien der vergangenen drei Jahre zusammengestellt sind – meist als Übersichten und Listen zu Text und Recherche, aber auch zu Umweltjournalismus und EU- sowie Auslandsaspekten.

Danke an Thomas Becht, der das Werk als studentischer Tutor geordnet und durchdacht hat! Das Arbeitsbuch wird stetig fortgeschrieben, da es noch einige Lücken und Unwuchten gibt. V.a. geht es etwa um Bericht und Interviews, die ich in der Lehre in Darmstadt zu Beginn vor allem als Formen im Fokus hatte. Ich mache jetzt aber mehr zu Reportage und Porträts sowie erzählerischen Themen, was dann in der nächsten Version neue Materialien liefern dürfte.

Der größte Dank geht an die Studierenden, mit denen zusammen Vieles entstanden ist, was hier, wiederum für ihre Nachfolger, nun als Werkstatt-Material nun gebündelt erscheint.

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Kleinreisensiege

Skulptur “Sphären”, Oberfeld, Darmstadt

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Ca Mau, Dat Mui, Cần Thơ – Reisen im Mekong-Delta

Ich bin wieder in Vietnam, um Dozenten der Medienakademie im Umweltjournalismus zu trainieren; es geht um Küstenschutz und Aquakultur. Wir sind dafür im Mekong-Delta. Gleich zu Beginn fuhren wir it einem kleinen Boot bis an die Südspitze des Landes , in einen Nationalpark hinein, vorbei an armen Khmer-Dörfern, lebendigen Flussstädtchen, abgeholzten Ufern, Mangroven-Wald. Zwischen den Lehrtagen ging es wieder hinaus, dieses Mal mit Führungen zu Mangroven-Pflanzungen, erodierenden Dämmen und einer Shrimps-Farm – es gab so viel zu fotografieren und notieren, dass ich erst jetzt zum Sortieren komme. Ich werde den ein oder anderen Reisetext oder auch Umweltreportage daraus machen. Hier die ersten Eindrücke.

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Schreiben

Etwas aufschreiben heißt, über die Klippe der eigenen Gedanken zu springen, ein Stück hinabzufliegen und auf dem papiernen Grund dann halbwegs gekonnt in einer Form zu landen, die den Vorgang sichtbar und erinnerbar macht.

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Warum wir kurzsichtiger werden: Bernhard Pörksen zum „Kollaps der Kontexte“

Kürzlich hat Bernhard Pörksen im Philosophischen Radio (WDR 5, bei 41: 40) ein wichtiges Stichwort gegeben zur digitalen Kommunikation: „Kollpas der Kontexte“. Er erkennt eine Abkopplung der Inhalte von ihren Umgebungen und Ursprüngen, eine möglicherweise fatale Verdichtung:

Kommunikation in digitaler Form lässt sich blitzschnell aus ihrer ursprünglichen Verwendungssituation herauslösen. Wir geraten durch die Geschwindigkeit, die Hektik, den Äußerungsdruck und den Reaktions- und Interaktionszwang zunehmend unter Druck, machen mal kleinere, mal größere Fehler und schicken unsere Botschaften zu schnell weg – vielleicht in die falschen Kanäle. Die Lästermail, die schnoddrig formulierte SMS – all dies zeigt: Das digitale Zeitalter ist auch das Zeitalter der permanent produzierten Missverständnisse, weil unseren Kommunikationsangeboten, ich nenne es jetzt einmal so allgemein, die Verankerung im Kontext zunehmend entzogen wird. Es gibt so etwas wie einen Kollaps der Kontexte.

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Kraniche über Darmstadt, näher als anderswo – ein kleines Wunder Out of Trautheim:

Wir sind an die Ostsee gefahren, auf den Darß, um sie vom Ausguck aus großer Nähe zu sehen. Das ist uns zweimal nicht gelungen, sie waren immer hunderte Meter weg, standen in der flachen Boddenbuch im Nebel, erhoben sich von dort in die aufkeimenden Wintersonnenstrahlen des frühen Morgens oder kamen im Fahlrot des Abends über die Felder hereingeschwebt, um in der Bucht wieder zu übernachten. Sicher, es waren Hunderte in der Luft und Tausende im flachen Wasser. Ich hätte aber nie gedacht, dass ich später, heute, die schönsten Blicke auf Kraniche direkt über Darmstadt haben würde. Das war heute Morgen gegen 10.30. Da sind 80 Kraniche in drei großen V-Formationen  über das Martinsviertel gezogen; sie sangen dabei laut ihre trompetenden, blechernen Melodien des weitens Reisens. Es war ein besonderer Moment, so wie Tage mit großen Vögeln in klarer Luft immer etwas zu bedeuten haben. Hier, an diesem eher ungewöhnlichen Vogelort und so normalen Durchgangsort, vermute ich nochmal mehr. Dann ist mir noch aufgefallen, das im Teeladen auf dem Riegerplatz ein spanischer Wein steht, der Kraniche im Titel führt. Sie waren dann auch auf der Erde, was eine gute Abrundung hergab.

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Schilf- und Nebelmorgen in Trautheim

In der Senke, wo kein Haus hin kann. Es ist zu feucht. Dort ist die Grenze, hoffe ich.

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Gedichtband “Schmallert”

Hier geht es zu meinem Gedichtband “Schmallert” (Verlag Heinevetter, Lübeck). Erschienen 2012 mit Versen von 1995 bis dahin.

viel Spaß beim Lesen!

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Handy und Fjäll – warum junge offenbar Norweger seltener loslaufen

Auf einer Wanderung durch den Wald bei Oslo, es wird dunkel. Es ist kalt, eisig, leise. Jeder muss auf den Boden schauen, um nicht auf der Eisdecke auszurutschen. Erst war die Rede davon, welche Outdoorkultur immer noch in Norwegen herrscht, wie oft die Leute in ihre Hütten gehen. Dann haben wir viel über Facebook geredet. Und dann sagte die Studentin, das sie keine zwei Tage mehr „disconnected“ sein kann. Es ginge einfach nicht. Eine andere stimmte ein, sie würde zu viel verpassen. Was?, fragte ich. Job-Angebote, Konzerticket. Und deshalb, weil junge Norweger nicht mehr disconnected sein könnten, gingen sie nicht mehr so oft raus. Kaum einer mache es mehr, Eltern, Großeltern – ja, die schon. „Im Gebirge hast Du keinen Empfang, also gehst Du nicht hin“. Eine Stunde später: „Wie viel öfter wir das machen müssten, nach der Uni einfach mal raus“. Sie habe jetzt runterkommen können, hätte neue Ideen gefunden. Wald, das sei essentiell. 15 min später: Alle sitzten in der U-Bahn, Schweigen, connected.

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Walreportage, Fischanalyse – meine letzten Texte (merian, faz)

Hier verlink ich kurz meine beiden letzten Texte aus diesem Sommer und Herbst:

FAZ, Fischerei: Aus diesem Netz gibt es kein EntrinnenDie Fischereireform der Europäer begann zu greifen, da droht sie schon wieder zu scheitern: Die jungen Fische werden weiter nicht geschont

MERIAN.De: Walsafari - Pottwale erheben sich wie eine Insel aus dem Meer, wenn sie minutenlang Luft holen. Dann schießen sie hinab bis in 1000 Meter Tiefe, wo sie Tintenfische suchen. Auf den norwegischen Vesterålen-Inseln sind die Kolosse immer da – garantiert der Anbieter der Walsafaris. Eine Überprüfung.

 

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Out-of-Trautheim: Gewittergänse am Oberfeld

Out of Trautheim lag kürzlich am Oberfeld, dem malerischen Flecken Acker in Darmstadts Osten, um den sich eine modellhafte Bio-Landwirtschaft aufgebaut hat mit allem, was dazu gehört. Auch mit Gänsen, die bis zu ihrer Schlachtung an St. Martin auf der Weide stehen und in diesem Fall mit ihrem astreinen Weiß einen scharfen Kontrast bilden zum grau-schroffen Herbsthimmel, den irgendwer vor uns angezündet und mit vielen Wolken versehen hatte. Das Oberfeld ist wohl das beste Wolkenschaufenster hier, da es eine Weite hat, die man in DA sonst seltener findet. Und das Feld hat Geschichte und Geschichten, zu lesen etwa in “Roman von einem Feld” von Katja Behrens.

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Zwischenhand

Hand dazwischen
zur Lösung der
Digitalfalle
Auswahlqual
Hatzhetze
Suchenmühen
Fundfehler
der gesamten
Samtlosigkeit
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Uferzonen – oder warum Südhessen in Wirklichkeit eine Insel ist

Ich begreife die drei Flüsse als Grenzen einer Region, wodurch eine Insel entsteht. Rhein, Main und Neckar müssen über Jahrtausende als natürliche Grenzen gewirkt und dabei tief eingeprägte kulturelle Muster hinterlassen haben. Ich weiß zu wenig über sie, aber die Vorstellung alleine, aus einer Insel heraus zu kommen, die von Flüssen gerahmt ist, treibt mich an: nach Heimat zu suchen und diese möglichen Muster aufzuspüren. In der Sprache, in den Städten, in den Geschichten des Landes.

Was mir nicht passt für meine Theorie ist die flussfreie, gut 30  Kilometer lange Strecke zwischen Miltenberg und Eberbach. Hier müssen umso mehr Nichtschwimmer in brückenfreien Zeiten hindurchgekommen sein, weshalb die Suche vor allem dort Sinn macht. Wer sich länger an den drei Ufern aufhält und ins Wasser sieht, versteht, warum Flüsse so wichtige Grenzen sind. Sie sind anziehende Grenzen. Die meisten stoßen ab, Flüsse sind daher in der Moderne grenzfremdelnd und doch die ältesten Grenzen die es gibt. Haben wir also ganz falsche Deutungen von Grenzen gelernt?

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Lehrplanung für das Wintersemester: Onlinejournalismus

Lehrverständnis

Wichtig für eine erfolgreiche Teilnahme sind Präsenz, aktive Teilnahme und das Erfüllen der Prüfungsleistungen. Entsprechen sind eigene Mitschriften vor Ort Grundlage für ein erfolgreiches Bestehen; viele, aber nicht alle Inhalte werden über Lehrmaterialien in Moodle wiederholt und dokumentiert.

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Vom Verlust der Zeit. Acht Empfindungen eines kulturellen Schmerzes

Diese Texte bereiten Vorträge vor, die ich im Rahmen von Seminaren und Veranstaltungen des Darmstädter Datterich-Festivals im Juni 2015 halte. Sie fragen danach, wie wir mit uns selbst, und damit mit unserer Eigenzeit, umgehen.

1 -Einfachheit ist schwer, wir sind vielfach und zunehmend vielfacher unterwegs

2 – Du nimmst das Handy nochmal und hoffst, dass das etwas Neues, Bedeutendes kommt, klickst, tippst, wischst, suchst. Dann ist da was, du spielst damit. Legst es weg, wiederholst alles. Eigentlich war da aber nichts. Nur Deine digitale Suche, aber die ist auch etwas. Also flirtest Du wieder mit dem Nichts.

3 - Was sagt die Zahl an Dingen aus ohne jeweils ihr Gewicht zu kennen? Immer nur die Breite des Angebotes abzuschreiten lässt keine Zeit, die Waage für das Ausgewählte heranzubringen

4 – Das Ausmaß der Vorbereitung übersteigt das der Nachbereitung. Wir schauen vor und selten zurück. Laufen viel an, heben seltener ab.

5 – Man sollte nicht mit Schnelligkeit versuchen, Langsamkeit zu beginnen. Habe ich zu oft versucht.

6 – Wenn das Leben ein Haus ist, dann ist Zeit ist der Stoff, mit dem es sich am besten bauen lässt. Fehlt er, wird es kalt und zugig darin

7 – Zeit ist die Hand, die Du Dir in jedem Moment reichen kannst. Warum auf diese Stütze verzichten?

8 Abschlussgedanke – Wenn ich kreativ sein will, vernetzen, voraus denken, durchdringen, zurückkehren, mich erinnern und dann alles miteinander in Bezug setzen will, muss ich neben der Schnelligkeit herlaufen dürfen: sich zurückziehen, mein Nichtwissen wohl organisieren, tools und trends zwar wahrnehmen, aber nicht unter ihnen sein. Mich auf all ihren Plätzen zu tummeln hieße, die wichtigste Quelle, die Muße, aufzugeben. Sie erzählt uns vor allem von dem, was wir noch nicht wissen, von der offenen Zukunft.

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Kann der Wald ein Schreibhelfer sein? Eindrücke von einem ersten Schüler-Seminar auf dem Darmstädter Waldkunstpfad

Wie inspiriert der Wald Schüler zum Schreiben und auch, bewusst wahrzunehmen und hinzuschauen, hinzuhören? Diese Fragen stelle ich mir letzte Woche beim ersten Schreibseminar unserer Agentur dasumweltinstitut. Ich war mit der neunten Klasse der Darmstädter Lichtenbergschule  drei Stunden im Wald, mitten auf dem Walkunstpfad, mit dem wir das Seminar ausgerichtet haben.

Deutschlehrerein Nicole Rosenthal hatte mit den 23 Schülern zuvor schon kreatives Schreiben versucht – mit gutem Erfolg, wie sie sagt. Der nächste Schritt war nun dieser andere Zugang, Natur wahrzunehmen: Schreiben. Vorstellungsrunde, eigene Erfahrungen mit dem Wald, ein paar Fakten zum deutschen Forst und Gedanken zur Beziehung  zwischen Mensch und Natur – danach ging es los in den Wald, der nah an der Schule ist.

 ”Die, die alles verbindet”

Bei der ersten Fragerunde mussten die Schüler ihre Assoziation von Wald finden. Heraus kam „Die, die alles verbindet“, Harmonie, Tiere,  Dunkelheit und Verborgenes, aber auch Blätter, Äste und Gedanken zu Details und einzelnen Objekten des Waldes. Wie kann man nun als jüngere/r Schreiber/in anfangen, wo soll ein Ansatz bestehen? Wir rissen einge grundlegende Wege an: still sitzen und lange beobachten, etwa einen Baum, ein Tier und dann in diese Mikroperspektive eintauchen. So, wie es die Autoren des nature writing, machen, das ich an der Hochschule gerade anfange zu erfoschen. Deshalb las ich auch Auszüge von Henry David Thoreaus “Walden” vor, aus Werken von Andreas Weber und auch ein eigenes Naturgedicht aus meinem Band “Schmallert”.

Einfacher ist es, den Wald auf ein Thema beziehen, was man schon mitbring, Klimawandel aus dem Unterricht oder die Wildschweine vor der eigenen Haustür, die im Stadtwald ein großes Thema sind. Oder sich in die Zukunft denken und Szenarien schreiben: Wie wird es dem Wald in 20 Jahren gehen? Es gab keinerlei Zwang, jeder konnte durch den Wald wandern, sich setzen und nachdenken, laufen und schreiben, zusammen und allein. Alles war möglich, damit die Hürden nicht zu hoch lagen. Nach einer Stunde sollten die Schüler etwas abgeben.

Nicht der erste Baum ist der beste

Es war schön zu sehen, wie viele erst ihren Platz finden mussten, in Gruppen von Baum zu Baum zogen, erst noch lauter waren und dann stiller wurden. Der Wald hatte sie eingenommen, zumindest die meisten. Nicht alle waren natürlich voll dabei, aber viele. Sie berichteten von Stämmen, die sie lange beobachteten, Gedanken zum Waldschutz, der Stille. Und viele gaben etwas ab. Jetzt bin ich gespannt auf die Durchsicht.

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Vietnam-Blog: Ein Land im Klimawandel – eine letzte Erinnerung

Ich frage mich, was bleibt nach diesen knappen zwei Wochen. Viele Beobachtungen, von denen ich schon geschrieben habe, aber auch Eindrücke, die nicht so leicht in Buchstaben fließen. Es ist das, was am Rande steht nach einer Reise, auch nach einer langen Recherche; das vielleicht Unausgesprochene, das uns aber stark gegriffen hat, als wir es nicht merkten. Hier ist es der Eindruck eines Landes, das mit einer riesigen Geschwindigkeit an sich selbst vorbeirauscht – wenn es seine Ressourcen verliert, die Flüsse trocken fallen, der Wald gerodet ist. Und wenn es gleichzeitig so vielen Menschen besser geht als vorher, weil der Tourismus kommt, vieles doch funktioniert, was woanders nicht geht: Sauberkeit und Sicherheit etwa.

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Vietnam-Blog: Lernen vor Lehren – Fazit nach fünf Tagen Journalismusseminar

Vor lauter Lehre habe ich die Blogs nicht mehr so im Blick. Jetzt aber einmal etwas mehr zu den Inhalten und der Weiterbildung selbst: Fünf Tage Lehre sind rum, und wie so oft war es zu viel, meist von 8.30 bis 17 Uhr mit eineinhalb Stunden Pause. Wir hatten die Aufgabe, zwei Gruppen, die beide bis auf einige Ausnahmen wenige Klimakenntnisse haben, erstens Klimapolitik und Klimaökonomie sowie Grundlagen der Umweltpsychologie näher zu bringen. Die zweite Aufgabe war Methodentraining, damit sie das Thema an ihre Studierenden vermitteln können.

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